#1 19.11.2014, 10:14
MerlinMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.11.2014
Beiträge: 5


Betreff: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Liebe Betroffene, liebe Experten, ich brauche euren Rat…
Mein Sohn ist 6 und hört wirklich alles. Er versteht jedes Wort von mir, spricht superdeutlich, und auch in Kita und Schule hat er nie Probleme. Als Mutter kennt man doch sein Kind am besten, und er versteht wirklich alles, selbst Flüstern oder Gespräche im lauten Straßenverkehr.
Aber die Messungen beim Ohrenarzt haben ergeben, dass seine Sinneszellen im Ohr nicht richtig funktionieren und ihm – vor allem im Sprachbereich – ganze Frequenzbereiche fehlen. Jetzt soll er Hörgeräte bekommen.
Aber wieso soll ich ihm das antun, wenn er doch alles hört? Der Arzt meinte, er würde das irgendwie kompensieren. Aber dann ist es doch eigentlich gut, warum muss er dann Geräte tragen? Ich befürchte, dass man mit den Hörgeräten dann eher was kaputtmacht, wenn es in der Schule sehr laut ist und ihm andere Kinder ins Ohr brüllen, oder dass er vielleicht die Fähigkeit zum Kompensieren dann verliert.
Oder gibt es dann andere Probleme oder Risiken, wenn ich lieber noch warte und erstmal schaue, bis er wirklich Probleme bekommt, mich oder seine Lehrer/Freunde zu verstehen?
Ich wäre dankbar für eure Meinung. Würdet ihr einem Kind ohne Verständnisprobleme Hörgeräte verpassen, nur weil ein Test es sagt? Bin völlig verunsichert… Helpless
↑  ↓

#2 19.11.2014, 10:38
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo MerlinMama,

herzlich willkommen!

Ich möchte gleich ein paar Fragen stellen, damit ich die Sache besser beurteilen kann:

Zitat von MerlinMama:
Aber die Messungen beim Ohrenarzt haben ergeben, dass seine Sinneszellen im Ohr nicht richtig funktionieren und ihm – vor allem im Sprachbereich – ganze Frequenzbereiche fehlen.

Welche Messungen wurden denn durchgeführt, und wie sehen die Resultate aus?

Bei Interesse kannst Du auch sämtliche Untersuchungsergebnisse, Arztberichte etc. anonymisiert hier hoch laden.

Wichtig wären vor allem Reintonaudiometrie bezüglich Luftleitung (ev. Knochenleitung) und allenfalls TEOAEs/DPOAEs, Tympanometrie, Sprachtests und BERAs.


Zitat von MerlinMama:
Aber dann ist es doch eigentlich gut, warum muss er dann Geräte tragen? Ich befürchte, dass man mit den Hörgeräten dann eher was kaputtmacht, wenn es in der Schule sehr laut ist und ihm andere Kinder ins Ohr brüllen, oder dass er vielleicht die Fähigkeit zum Kompensieren dann verliert.

Je nachdem könnten sich die retrocochleären Hörbahnen in gewissen Bereichen durch "mehr Input" noch besser entwickeln. Möglicherweise ist auch das Hören weniger anstrengend, wodurch höhere Kapazitäten in anderen Bereichen verfügbar werden können.
Die Frage lautet vor allen Dingen, ob Hörgeräte indiziert sind (wobei allfällige Kontraindikationen ausgeschlossen werden müssen). Geht man von der Annahme aus, dass dies der Fall ist (muss eigentlich, wenn alles korrekt abgelaufen ist), so können sie schon Vorteile bringen.

Natürlich tritt je nachdem auch eine höhere Belastung der OHCs auf; es kommt aber vor allen Dingen auf die Begrenzung an (und die individuelle Vulnerabilität des Innenohres); liegt diese eher tief und ist das Hörgerät richtig eingestellt (und die Einstellung auch entsprechend verifiziert), so bleibt diese in einem "eher moderaten Rahmen".

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 19.11.2014, 10:39 von fast-foot. ↑  ↓

#3 19.11.2014, 10:39
MerlinMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.11.2014
Beiträge: 5


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hab noch vergessen zu erwähnen, wir waren auch bei einem zweiten Arzt. Selbes Ergebnis (mit diesem Test, wo das Kind nichts machen muss, sondern nur die Reaktion der Hörnerven gemessen wird). Das Problem scheint also definitiv da zu sein, ich merke dem Kind aber wie gesagt NICHTS an...
↑  ↓

#4 19.11.2014, 11:36
MerlinMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.11.2014
Beiträge: 5


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
So, hier sind die Ergebnisse des Tests beim Spezialisten. Für mich nur bunte Bildchen, für euch vermutlich wichtige Infos. Würde mich mal interessieren, wie "schlimm" es eigentlich ist. Der Arzt sagte nur irgendwas von Frequenzen und Dezibel, darunter kann ich mir nicht viel vorstellen...

Dateianhänge:
Dateityp-Informationen zu: pdf  ScanHörtest 1 klein.pdf
Downloads: 414
Dateigröße: 239,13 KB
Dateityp-Informationen zu: pdf  ScanHörtest 2 klein.pdf
Downloads: 405
Dateigröße: 197,79 KB

↑  ↓

#5 19.11.2014, 12:28
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Vielen Dank.

Laut Reintonaudiometrie besteht beidseits eine mittelgradige Schwerhörigkeit, und Högeräte sind indiziert.

Wenn das unten die ucls sind, dann sollten die Geräte durch die Einstellung so begrenzt werden, dass eine weitere Schädigung der OHCs durch die Hörgeräte mehr oder weniger ausgeschlossen werden kann.

Dies vorerst.

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
↑  ↓

#6 19.11.2014, 15:47
Momo Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.07.2002
Beiträge: 5.158


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo Merlin Mama,

es besteht laut der Audiogramme tatsächlich eine SH, die mit HG versorgt werden sollte.
Viele sh Kinder kompensieren das schlechte Hören sehr gut durch intensives Schauen und Kombination (situationsbedingt).
Aber gerade wenn dein Sohn 6 ist und lesen und schreiben lernt ist das einwandfreie Hören schon wichtig. Es wäre da schon sinnvoll präventiv einzugreifen bevor er Probleme bekommt,denn sind die erst einmla da, dann ist das nicht mit "mal eben schnell HGs" wieder alles gut.

Was Fast-Foot meint ist ob die blauen und roten Werte die Unbehahglichkeitsschwelle ist (ucls), d.h. die Lautstärke bei der dein Sohn es als zu laut empfindet. Und dass die HG so in der Lautsärke / Verstärkung begrenzt sein sollen, dass dieser Bereich keinesfalls überschritten werden sollte, um die äußeren Haarsinneszellen (OHCs) im Innenohr nicht weiter zu schädigen.
Eine Begrenzeung ist aber üblich, so dass eben das was du befürchtest nicht passieren kann 8einer brüllt ins Ohr usw.).

Dein Sohn hat allerdings eine sog. Badewannenkurve, d.h. der Hoch- und Tieftonbereich ist recht gut, so dass die Einstellung von HGs einiges an Erfahrung verlangt, damit er einen Nutzen daraus ziehen kann. Auf der anderen Seite erklärt das auch, warum er scheinbar so gut hört, da er eben im Prinzip fast alles hört, aber eben im Sprachbereich nicht alle Laute gut genug.

Da ihr euch eine Zweitmeinung mit gleichem Ergebnis geholt habt, gehe ich davon aus, dass die Werte stimmen und er wirklich HGs bracuht.

Gleichzeitig solltet ihr euch (auch wegen Schule usw.) von der zuständigen Beratungsstelle einer Schwerhörigenschule über Unterstützungsmöglichkeiten/ Beratung informieren.

Wichtig für eueren Sohn ist, dass ihr als Eltern dem Ganzen positiv gegenüber steht und die HGs als Helfer/ Freunde und nicht als etwas zu Ertragendes/ Peinliches/ Schlechtes anseht und ihm das Gefühl gebt, dass es für ihn etwas Gutes ist.

Und alte beige Omamodelle sind passee- es gibt HGs in allen möglichen tollen Farben oder sogar durchsiichtig (finde ich cool, weil man die Technik sieht). Auch die Ohrpassstücke kann man ganz individuell gestalten.

Viele Grüße
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, das letzte Mal am 19.11.2014, 15:50 von Momo. ↑  ↓

#7 19.11.2014, 16:23
MadameBovary Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.07.2007
Beiträge: 399


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Wie kam es, dass sein Gehör jetzt getestet wurde? Dazu müsste es doch einen Anlass gegeben haben, auch wenn du beschreibst, dass dein Sohn gut zurecht kommen würde.

Hörgeräte verstärkt nur einen bestimmten Bereich. Irgendwann wird es nicht meh vestärkt, auch wenn jemand immer lauter wird, weil dann die tolerierbare Grenze erreicht wird. Das bestätigt mich immer wieder in bestimmten Situationen: Während alle guthörende Kinder die Ohren zuhalten und das Spiel unterbrechen, ist es meinem Kind so etwas egal, es spielt seelenruhig weiter. Es hat keine Angst, wenn Ballone platzen - es hört zwar aus nächster Nähe, aber verbindet es nicht mit Schmerz.

Und ich finde farbige Högeräte bei Kids sehr cool. Mein Kind hatte auch immer bunte Otos und Lauschis.
Viele Grüße
MB
↑  ↓

#8 19.11.2014, 16:51
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Allgemein darf man die subjektive Empfindung (bspw. das Auslösen von unangenehmen Empfindungen, auch Angst), welche bei bestimmten Pegeln/Imissionen auftreten, nicht mit deren Gefahren- bzw. Schädigungspotential verwechseln.

Ausserdem würde ich die Kurven als etwas in den Tieftonbereich verschobene C_5-Senken charakterisieren, mit zusätzlichem Hochtonabfall.

Eine Versorgung mit Hörgeräten dürfte in der Tat nicht ganz einfach sein.

Und eine Indikation heisst nicht, dass Högeräte getragen werden müssen, sondern, dass sie getragen werden können.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 19.11.2014, 18:17 von fast-foot. ↑  ↓

#9 19.11.2014, 18:17
JND Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 01.06.2010
Beiträge: 287


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo,

die gefüllten blauen/roten Symbole im Tonaudiogramm sind die Stapediusreflexschwellen und nicht die UCLs Wink
Aus den Stapediusreflexschwellen geht hervor, dass ein Verdacht auf sensorinaurale Schwerhörigkeit (=Innenohr oder später) im Frequenzbereich von 1 bis 2 kHz besteht.
Dieser Verdacht wird erhärtet durch die fehlenden TEOAEs und DPOEAs bei diesen Frequenzen.
DPOES/TEOAEs werden durch die äußeren Haarsinneszellen generiert, bei einem Ausbleiben der DPOAEs/TEOAEs sind die äußeren Haarsinneszellen geschädigt.
Eine Schallleitungskomponente kann ausgeschlossen werden, da sich die Luftleitung mit der Knochenleitung deckt und das Trommelfell in der Tymponometrie regelrecht schwingt.
Die Luft- und Knochenleitung liegt im Tonaudiogramm bei 2 kHz um die 40-50 dB, was ebenfalls zu einem Ausfall der äußeren Haarsinneszellen bei dieser Frequenz passt.

Ein Hörgerät ist indiziert, obwohl solche Hörverluste im Alltag sehr gut kompensiert werden.
Vokale und Konsonanten haben mehrere "Oberschwingungen", die auch oberhalb des Hauptsprachbereiches von 1 kHz bis 4 kHz auftreten und und eine Unterscheidung zwischen den Vokalen und Konsonanten ermöglichen.
Dennoch ist es leichter, wenn die "Grundschwingung" der Vokale/Konsonanten mit übertragen werden und dein Sohn wird sehr wahrscheinlich weniger kompensieren müssen und mehr Aufmerksamkeitsressourcen für den Schulstoff frei haben.
(Ob er diese dann auch für den Schulstoff nutzt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Laughing )

Zu dem Gefährdungspotenzial der Hörgeräte:
Nach Ansicht der Europäischen Union der Hörgeräteakustiker ist eine Begrenzung der Hörgeräte abweichend von der normalen Einstelllung beim Pädakustiker bei LÄRMarbeitsplätzen erforderlich. Für den normalen Alltag ist keine Gehörgefärdung zu erwarten.

Schöne Grüße,
JND
↑  ↓

#10 19.11.2014, 19:05
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo MerlinMama,
zum "ins-Ohr-Brüllen":
Mein Sohn, der auf seinem Hörgerät eine ziemliche Verstärkung braucht, grinst immer, wenn wir schimpfen, uns sei etwas zu laut, weil sein Hörgerät eben die lauten Geräusche nicht mehr wirklich verstärkt. "Vielleicht solltest Du Dir mal ein Hörgerät zulegen", kommt dann von ihm.
So unkompliziert ist es nicht immer, aber in der Regel wissen die Pädakustiker, wie sie die Schallbegrenzung einstellen müssen. Frag doch einfach danach.
Bei uns sind die blau-durchsichtigen Hörgeräte immer hoch im Kurs gewesen und auch sein CI ist jetzt auffällig leuchtblau. Er findet es okay und wir finden es okay, denn es hilft ihm.
Es ist oft ein weiter Weg, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das Kind Hörgeräte trägt. Aber nach einiger Zeit wird es völlig normal und man macht sich darüber keinen Kopf mehr.
Im Grunde hat jede/r irgendwelche Eigenarten, auf die man im Alltag mehr oder weniger Rücksicht nehmen muss. Das ist bei unseren Kindern nicht anders.
Herzliche Grüße, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
↑  ↓

#11 19.11.2014, 19:38
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Off-Topic:


Ich mach's kurz:

Kein Mensch weiss wirklich, welche Lärmdosen (bspw. über einen ganzen Tag) von einem Hörgerät abgegeben werden bzw. welche Immissionen hieraus resultieren*. Eine gewisse Garantie kann nur eine relativ tiefe Begrenzung (auf "generell unbedenkliche Pegel**", wobei diese bei Kindern im Gegensatz zu Erwachsenen nicht wirklich bekannt sind) geben, sofern auch sicher gestellt wird, dass dann die tatsächlich beim Trommelfell herrschenden Schalldrücke mit den beabsichtigten überein stimmen (mittels in-Situ-Messung).
Aber da Ohren auch unterschiedlich vulnerabel sind, ist man auch so nicht wirklich aus dem Schneider.
Der Akustiker stellt das Gerät jedoch nach der subjektiven Empfindung des Hörgeräteträgers ein und nicht nach den oben erwähnten Pegeln (**).

Eine "Unbedenklichkeitserklärung" ist Augenwischerei, wegen (*).

Ein gewisses Risiko kann also nicht ausgeschlossen werden; dieses ist jedoch abzuwägen gegen andere Risiken.

Gruss fast-foot

Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 19.11.2014, 19:39 von fast-foot. ↑  ↓

#12 20.11.2014, 21:18
NelemJ Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.01.2009
Beiträge: 75


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Huhu, hab dir ne e-mail geschickt.
↑  ↓

#13 25.11.2014, 10:39
MerlinMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.11.2014
Beiträge: 5


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Ein riesengroßes DANKESCHÖN an euch alle, ihr habt mir so dermaßen geholfen. Ich bin jetzt schon mal um einiges schlauer und werde mit meinem neuen Wissen und den Eindrücken von Euch nochmal den Ohrenarzt nerven mit meinen restlichen Fragen.

EINE FRAGE brennt mir aber noch auf der Seele: Der Ohrenarzt meinte, man käme in unserem Fall "einige, vielleicht auch viele Jahre mit Hörgeräten aus, und dann könne man ja immernoch ein Implantat machen." Heißt das etwa, dass sich die Hörleistung zwingend bzw. meistens immer weiter verschlechtert? Wie sind eure Erfahrungen, bzw. die mit euren Kindern?
↑  ↓

#14 25.11.2014, 10:49
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo MerlinMama,
es gibt fortschreitende Schwerhörigkeiten. Oft weiß man gar nicht, warum sich ein Hörstatus verschlechtert.
Es gibt auch bei Schwerhörigen ein wohl höheres Risiko eines Hörsturzes, sicher auch bedingt, durch die große Anstrengung, die sie jeden Tag beim Hören zu leisten haben. Das kann auch bei Kindern passieren.
Mein Sohn ist davon nicht betroffen bisher. Er ist 14 Jahre mit einem tauben und einem hochgradig schwerhörigen Ohr durchs Leben gegangen und der Hörstatus ist immer gleich geblieben.
Es ist gut möglich, dass Dein Sohn noch zig Jahre mit HGs auskommt.
Herzliche Grüße, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
↑  ↓

#15 25.11.2014, 13:02
blacky_kyra Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.04.2012
Beiträge: 289


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hallo MerlinMama,

hier mal eine Grafik, die verdeutlicht was er tatsächlich versteht und was er evtl. durch absehen oder aus dem Zusammenhang heraus versteht. Ihm fehlen einige Buchstaben, daher würde ich auf jeden Fall zu Hörgeräten greifen um ihm das Verstehen zu erleichtern.

http://www.phonak.com/...662152.jpg

Wisst ihr denn seit wann die Schwerhörigkeit besteht und wie seid ihr dahinter gekommen wenn es doch sonst nicht aufgefallen ist?


LG Bettina
Happy Sohnemann (geb. 2011)
trägt links ein HG Phonak-Q50 UP bei 91% HV
und rechts Med-el CI: Sonnet:}
↑  ↓

#16 27.11.2014, 10:49
MerlinMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.11.2014
Beiträge: 5


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Nochmals vielen Dank für eure Antworten. Ich war einfach - und bin immernoch - verunsichert, da der Arzt mir bei dieser Art der Schwerhörigkeit (genetisch bedingte Fehlfunktion der Hörzellen, die also von Geburt an bestanden hat - obwohl ich nicht weiß, woher der Arzt wissen will, dass es genetisch bedingt ist) einen degressiven Verlauf quasi als gegeben dargestellt hat. Vielleicht ist es ja anders, wenn die Hörzellen durch eine Krankheit geschädigt sind (wie bei otoplasik)...

Um die Frage zu beantworten, die einige von euch hatten: Wir haben es erst festgestellt, als bei der Schuluntersuchung der Hörtest so miserabel ausgefallen war, dass uns zu einer weiteren Abklärung geraten wurde. Der Kinderarzt hatte auch schon mal Unklarheiten im Hörtest festgestellt, uns aber aufgrund seiner makellosen Aussprache gesagt, wir sollten uns da gar keine Sorgen machen... War wohl eine Fehleinschätzung.
↑  ↓

#17 27.11.2014, 12:33
blacky_kyra Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.04.2012
Beiträge: 289


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Bei so eines Aussage des Arztes wäre ich auch verunsichert.

Wenn die Sh jetzt erst festgestellt wurde, dann weiss der Arzt weder ob sie seit Geburt schon bestand, noch ob sie degressiv verläuft und auch nicht ob sie genetisch bedingt ist. Lasst euch nicht verrückt machen. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle und Überprüfung des Gehörs.

LG
Happy Sohnemann (geb. 2011)
trägt links ein HG Phonak-Q50 UP bei 91% HV
und rechts Med-el CI: Sonnet:}
↑  ↓

#18 01.12.2014, 12:37
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Hörgeräte für‘s Kind, obwohl es alles versteht?
Hier noch einige Bemerkungen zum einen oder anderen Punkt:

Zitat von MerlinMama:
Aber die Messungen beim Ohrenarzt haben ergeben, dass seine Sinneszellen im Ohr nicht richtig funktionieren und ihm – vor allem im Sprachbereich – ganze Frequenzbereiche fehlen.

Es liegt in der Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schädigung der äusseren Haarsinneszellen im Innenohr vor. Einerseits auf Grund eines "partiellen" Recruitments" (bei gewissen Frequenzen sind die Stapediusreflexschwellen trotz Hörverlust normal), anderseits wegen des Verlaufs der DPOAEs (siehe auch Beitrag von JND).


Zitat von MerlinMama:
Ich war einfach - und bin immernoch - verunsichert, da der Arzt mir bei dieser Art der Schwerhörigkeit (genetisch bedingte Fehlfunktion der Hörzellen, die also von Geburt an bestanden hat - obwohl ich nicht weiß, woher der Arzt wissen will, dass es genetisch bedingt ist) einen degressiven Verlauf quasi als gegeben dargestellt hat.

Wenn er mit "Hörzellen" die äusseren Haarsinneszellen meint, so lokalisiert er den Ort der Schädigung korrekt.

Allerdings ist mir völlig unklar, weshalb dieser Hörverlust genetisch bedingt sein und 2. progredient verlaufen soll.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage, was "genetisch bedingt" genau heissen soll (Gen-Anlage als einziger Einflussfaktor?).

Darüber hinaus kann auch ein Schaden, welcher nicht auf die Erbanlage zurück zu führen ist, angeboren sein (wobei dann noch die Frage zu klären ist, ob er tatsächlich angeboren ist, was in vielen Fällen nicht möglich sein dürfte).

Ich würde den Arzt fragen, wie er zu seinen Schlussfolgerungen gelangt ist.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
↑  ↓

Seiten (1): 1

Interessantes für Gäste und User ohne Beitrag in den letzten 100 Tagen ...



Alle Zeitangaben in GMT +01:00. Aktuelle Uhrzeit: 14:09.