#1 16.02.2015, 21:26       ↓ 
Pärchenmama0812 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 16.02.2015
Beiträge: 1


Betreff: Hallo und einen schönen Abend gewünscht
Hi.
Ich bin froh, ein Forum gefunden zu haben für Schwerhörige, da ich mich doch ziemlich alleine fühle mit meinem Handicap. Muss auch dazu sagen, dass das noch alles sehr frisch ist. Im November 14 wurde mir erst diagnostiziert, das ich schwerhörig bin und seit 2 Wochen erst trage ich Hörgeräte. Ich reagiere auf das alles immernoch abgeneigt und wills noch immer nicht wahr haben. Ich wusste schon immer, warum ihr mich vor Ohrenärzte gedrückt hab. Ich wusste schon sehr früh, dass ich bald mit Schwerhörigkeit rechnen muss, aber mit so früh hab ich dann doch noch nicht gerechnet. Meine Mutter war ganz genauso geschockt wie ich und wir heulten erstmal zusammen rum. Ich werde in 2 Wochen 26 Jahre und bin alleinerziehend von 2 Kindern. Ich hoffe nur sehr, dass meine Schwerhörigkeit nicht vererbbar ist. Es kann mir auch bisher noch niemand sagen, woher die Schwerhörigkeit kommt. Und ob es Aussicht auf Besserung gibt oder ob es sich von Jahr zu Jahr weiter verschlimmert. Ich bin die Einzige aus der gesamten Familie damit. Entweder kommt das noch mit von meiner Krankheit (ich kam nicht als gesundes Baby zur Welt, hatte einige Missbildungen u.A. war mein Schädelknochen auch noch nicht richtig entwickelt) oder es sind immernoch Folgeschäden von etwas. Widerrum wurde meiner Mutter damals ja schon gesagt, dass ich entweder Sprachbehindert werde, blind oder taub. Sprachbehindert bin ich definitiv nicht, meine Augen sind top (erst heute wieder beim Sehtest gewesen aus beruflichen Gründen) und meine Ohren hats getroffen. Und aufgrund von diesem "taub", rechne ich eben damit, dass es nicht mehr besser wird mit den Ohren. Dass ich also immer schlechter hören werde jetzt. Ich hoffe nur, dass ich in 10-20 Jahren nicht wirklich schon taub bin.

Weshalb ich mich nun hier angemeldet hab:
Ich habe eben etwas gesucht, wo es Gleichgesinnte gibt wie mich mit dem selbem Handicap. So fühle ich mich komplett alleine mit diesem Problem, eben weil nur ich das hab und mich niemand versteht. Mit meiner Mutter möchte ich darüber auch nicht ständig reden, da ich ganz genau weiss, dass ihr das genauso weh tut wie mir und sie hat mit mir schon eine Menge durch. Da will ich sie damit nicht auch noch ständig belästigen. Es reicht schon, wenn sie und ich sehen, dass ich immernoch kein gesundes Leben führen kann und eben auch nie führen werde. Immer wieder werden ich und besonders sie von der Vergangenheit eingeholt. Es wird kein Ende geben.
Und mit Anderen kann ich darüber auch nicht reden. Hab da schon zu hören bekommen "Na wenns nur das ist...." oder der krasseste Kommentar war "Krebs wäre schlimmer gewesen". Klar ist Krebs schlimm, das weiss ich selber. Aber für mich ist das auch schon schlimm, schwer zu beschreiben eben. Aber es kann sich eben niemand (außer meiner Mutter vielleicht) in mich hinein versetzen. Ich bin schon geschädigt genug auf die Welt gekommen. Man hat immer auf Besserung gehofft und gehofft. Aber es wird nicht besser. Im Gegenteil, jetzt werd ich sogar schon Schwerhörig. Mal sehen, was ich in 5 Jahren für eine Diagnose bekomme. Und das geht schon so früh los. Ich wollte immer ganz alt werden, wer weiss, ob ich überhaupt noch die 60 oder 70 erreiche.....
Sorry meine depressive Stimmung, aber diese sch**** Schwerhörigkeit muss ich immernoch verdauen irgendwie. Ich hasse diese Hörgeräte, die sehen blöd aus und am liebsten würde ich die Dinger weghauen, weil ich der Meinung bin, dass ich die eh noch nicht brauche. Aber leider muss ich mit Bedauern feststellen, dass das wirklich ein Unterschied ist wie Tag und Nacht, wenn ich die drin hab und wenn ich die draußen hab. Ich höre tatsächlich besser und lauter und nehme sogar Nebengeräusche wahr, die ich vorher garnicht gehört habe.
Morgen ist der 1. Tag, wo ich mich selber mal stellen möchte. Für mich ist das ein ganz schwerer Schritt, aber ich möchte mich eben dem stellen und schauen, wie fremde Leute reagieren, wie ich angeguckt werde. Hab ja jetzt die 2 Wochen, wo ich die ständig drin hatte, immer offene Haare gehabt, also die Geräte unterwegs immer versteckt, weil der Scham noch zu groß war. Morgen mach ich mir das erste mal wieder ein Zopf, dann kann jeder meine Hörgeräte sehen. Ich will mich eigendlich nicht verstecken, aber ich fühle mich trotzdem sehr unwohl, wenn jeder wildfremde die Dinger sieht. Und das morgen ist ein weiterer kleiner Schritt für mich nach vorne. Schließlich muss ich die ja jetzt, wenn ich Pech habe, mein Leben lang tragen. Also muss ich auch irgendwann mal damit anfangen die zu akzeptieren, ob ich will oder nicht. Ich mach die ja sogar schon freiwillig rein, da ich ja dann besser höre und ich das eben auch im Alltag besser finde.

Ich danke fürs zu hören und fürs ausjammern.
Guts Nächtle an alle!
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#2 16.02.2015, 23:16   ↑    ↓ 
Dabei seit: 04.02.2015
Beiträge: 27


Betreff: Re: Hallo und einen schönen Abend gewünscht
Hallo, Pärchenmama, sicher ist es kein leichter Weg, mit der Schwerhörigkeit fertig zu werden, aber so schlimm, wie du es darstellst, ist es nicht. Sieh mal, jeder 5. ist schwerhörig und muß sich damit herumplagen, aber es gibt Möglichkeiten, sich das Leben ein wenig einfacher zu machen. Den 1. Schritt hast du schon getan mit den Hörgeräten, nur solltest du die Geschichte nicht verheimlichen, sondern den Mitmenschen sagen: Hallo, ich höre schlecht und ich verstehe dich besser, wenn ich dich ansehen kann. Rede nicht lauter, sondern evtl. etwas langsamer und deutlicher und vor allem bei guten Lichtverhältnissen.
Falls es in deiner Umgebung einen Schwerhörigenverein oder eine Selbsthilfegruppe gibt, könntest du dich da dazu gesellen, das macht den Alltag ein wenig erträglicher. Da ist auch das Verstehen besser gemacht. Da siehst du, wie andere ihre Situation meistern.
Ichwünsche dir auf jeden Fall alles Gute und sieh die Situation nicht so negativ, sondern versuche, die Situation so wie sie ist, positiv ins Licht zu rücken.
Gruß Hilde
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#3 17.02.2015, 00:01   ↑    ↓ 
maryanne Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 22.10.2008
Beiträge: 1.215


Betreff: Re: Hallo und einen schönen Abend gewünscht
Hallo Pärchenmama,

wie gut, dass du hergefunden und dir deine Gefühl von der Seele geschrieben hast. Du hast es absolut richtig gemacht, indem du dich hast mit Hörgeräten versorgen lassen. Bis du dich wirklich daran gewöhnt hast, wird es noch ein bisschen dauern.
Die Frage nach dem Warum haut einen anfangs um, aber selbst wenn du die Antwort wüsstest, würde das am Ergebnis nichts ändern.
Ein Mensch, der schwerhörig ist, ist nicht weniger wert als andere. Und für den Betroffenen ist das - vor allem am Anfang - schlimm. Da nützen keine Vergleiche.
Du wirst mit der Zeit lernen, zurecht zu kommen, deine Diagnose und auch die Hörgeräte zu akzeptieren.
Wie Hilde schon schreibt: suche dir Anschluss an eine Selbsthilfegruppe. Du bist noch jung, die SChwerhörigen-Jugend steht dir offen, die haben viele tolle Angebote. Evt. kannst du auch mal eine Reha machen, z.B. in Rendsburg, wo du lernst, mit deiner Behinderung klarzukommen.

Alles Gute für dich
Maryanne
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#4 17.02.2015, 06:32   ↑    ↓ 
siolak Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 05.12.2008
Beiträge: 103


Betreff: Re: Hallo und einen schönen Abend gewünscht
Guten Morgen!
Ich bin zwar schon ewas älter als du, aber ich will Dir sagen - halte durch, es zahlt sich aus. Es ist am Anfang sicher ungewohnt und man glaubt, alle beobachten diese Hörgeräte. Aber es geht nur um dich und dein Hören. Ich konnte meine Hörgeräte nie verstecken, da ich keine langen Haare habe. Trag sie offen und für alle sichtbar. Das hift Dir, sie zu akzeptiern, und zeigt vielleicht deinem Gegenüber, deutlicher und langsamer zu sprechen.
Hab Geduld, es wird für dich sicher immer besser und du wirst deine Hörgeräte irgendwann einmal nicht mehr wahrnehmen. Im Gegenteil, du wirst sie vermissen, wenn du sie nicht in den Ohren hast.
Kopf hoch und liebe Grüße aus NÖ.
Alois K.
Alois
Hochtonschwerhörig Sad
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Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 17.02.2015, 06:34 von siolak. ↑  ↓

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