#1 05.06.2015, 11:28
Claudia F Abwesend
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Betreff: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Hallo ihr Lieben,

ich habe mich hier schon ein wenig durchgelesen und was ich las, macht mir ziemlich Mut, erneut eine OP anzugehen.
Ich bin 50 Jahre alt und habe mehrere Cholesteatom OPs hinter mir, die letzte 2003. Mein rechtes Ohr ist seit meiner Kindheit schwerhörig, diverse OPs mit allen möglichen Implantaten führten zu einer erst hochgradigen Schwerhörigkeit, die 2003 auf mittel bis hochgradig abgemildert wurde.
Weil ich eine kombinierte Schwerhörigkeit habe, also Innenohr (mit heftigem Tinnitus), Schallleitung und natürlich Mittelohr, hilft kein Hörgerät wirklich. Weil ich links ausgezeichnet höre, komme ich eigentlich gut zurecht.
Aber ich bin auch Musiker und ich träume einfach davon, stereo zu hören und überhaupt räumlich zu hören.

Ich bin nun bei einem Arzt, der mir seit zwei Jahren zu einer OP rät, er will mir eine Soundbridge implantieren, die bei mir zwar nicht zu einer 100prozentigen Hörfähigkeit führen wird aufgrund der Innenohr und Schallleitungsschäden und der Radikalhöhle, aber eine deutliche Verbesserung werde ich haben, das verspricht er mir, er meint ich werde die oberen Frequenzen gut bis sehr gut hören, nur bei den tieferen Frequenzen wird es Einbußen geben.

Wegen besser hören würde ich die OP nicht machen lassen, aber in meinem Mittelohr findet man immer noch Schäden durch das Cholesteatom, an Stellen, wo man früher einfach nicht so operierte, man sieht auf dem Röntgenbild deutlich Entzündungsherde, die aber seit Jahren unverändert sind und es vielleicht auch bleiben, vielleicht aber auch nicht.

Der Professor möchte nun diese Herde beseitigen, möchte meine Radikalhöhle mit eigenem Gewebe wieder aufbauen, bzw. kleiner machen, so dass das Mittelohr gesünder wird und besser belüftet, möchte die umgefallene Titanprothese entfernen und dafür sorgen, dass das Cholesteatom tatsächlich nie wieder kommt.

Risiken sind mir bekannt, der Facialis, der bis 2003 einfach so unverkleidet in meinem Ohr herumlag und dann in der letzten OP verkleidet wurde, kann reißen, das Geschmacksempfinden, das eh schon gestört ist, kann noch weiter leiden, der Tinnitus kann noch schlimmer werden (wobei die soundbridge da angeblich Abhilfe schaffen kann?) und das Gefühl, eine OP zu machen, die eigentlich nicht notwendig ist, lässt mich zögern.
Andererseits bestimme ICH dann den Zeitpunkt für eine OP, es wird ein einigermaßen gesundes, kein entzündetes Ohr operiert, ich kann planen und habe auch schon den perfekten Termin 10 Tage vor Weihnachten für mich gefunden und hinterher HÖRE ich vielleicht zum ersten Mal in meinem bewussten Leben mit beiden Ohren Surprised Laughing

Vielleicht könnt ihr mir hier ein wenig raten, die Entscheidung treffe natürlich ich und ich muss sagen, es steht gerade 80 zu 20 für die OP.
Würdet ihr abwarten? Es kann sein, dass das Ohr nie mehr zickt, es kann aber auch sein, dass ich nächstes Jahr wieder ein Cholesteatom habe und innerhalb von 14 Tagen operiert werden muss. Weil die Anlage für ein erneutes Chole ist einfach noch da, die sieht man.
Natürlich gibt es keine Garantie, ich weiß das.
Und wenn ich die OP machen lasse, werde ich auch die soundbridge implantieren lassen. Oder Helpless

Vielen Dank fürs Lesen!
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#2 08.06.2015, 18:12
Claudia F Abwesend
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#3 08.06.2015, 21:55
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Hallo Claudia F,

Zitat von Claudia F:
Der Professor möchte nun diese Herde beseitigen, möchte meine Radikalhöhle mit eigenem Gewebe wieder aufbauen, bzw. kleiner machen, so dass das Mittelohr gesünder wird und besser belüftet, möchte die umgefallene Titanprothese entfernen und dafür sorgen, dass das Cholesteatom tatsächlich nie wieder kommt.

Tja, das sind vielleicht gute Vorsätze. Aber Du weisst ja selbst, wie es bisher gelaufen ist:

Zitat von Claudia F:
Ich bin 50 Jahre alt und habe mehrere Cholesteatom OPs hinter mir, die letzte 2003. Mein rechtes Ohr ist seit meiner Kindheit schwerhörig, diverse OPs mit allen möglichen Implantaten führten zu einer erst hochgradigen Schwerhörigkeit...

Bei Otosklerose bspw. ist nicht nachgewiesen, dass Operationen einer fortschreitenden Verschlechterung des Zustandes aufhalten können. Ich denke, dass es bei einem Cholesteatom ähnlich ist (leider habe ich keine Zeit, mich genau zu informieren), zumal das Anlegen einer Radikalhöhle ja bereits eine entsprechende Massnahme ist und durchgeführt wurde.


Zitat von Claudia F:
...und dafür sorgen, dass das Cholesteatom tatsächlich nie wieder kommt.

Das halte ich zwar für ein hehres Ziel, dessen Erreichbarkeit gleichzeitig jedoch für etwas fragwürdig.


Zitat von Claudia F:
...man sieht auf dem Röntgenbild deutlich Entzündungsherde, die aber seit Jahren unverändert sind und es vielleicht auch bleiben...

Das spricht eher gegen eine Operation.


Zitat von Claudia F:
Ich bin nun bei einem Arzt, der mir seit zwei Jahren zu einer OP rät, er will mir eine Soundbridge implantieren, die bei mir zwar nicht zu einer 100prozentigen Hörfähigkeit führen wird aufgrund der Innenohr und Schallleitungsschäden und der Radikalhöhle...

Inwiefern die Schallleitungsproblematik und die Radikalhöhle das Resultat verschlechtern sollen, leuchtet mir nicht ganz ein. Die Soundbridge kann nämlich bspw. direkt am runden Fenster angekoppelt werden (und würde auch bei anderer Ankoppelungsart das Mittelohr kaum nutzen).
Anders sieht es bezüglich sensorineural bedingter Schwerhörigkeit aus (innenohrbedingt und retrocochleär).

Hier kommt es insbesondere auf zwei Begebenheiten an:

1. Wie verläuft die Knochenleitungshörkurve (und welchen Hörverlust dann die Soundbridge abdecken).

2. Wurde auf dem betreffenden Ohr je mindestens so gut gehört, dass sich die retrocochleären Hörbahnen ausreichend entwickeln konnten (und bspw. ein Richtungshören möglich sein wird) und wenn ja, haben sich die entsprechenden Hörbahnen durch Deprivation (Mangel an Reizen) nicht bereits so weit zurück entwickelt, dass es schwierig ist, entscheidende Vorteile durch die Versorgung zu gewinnen.
Wobei gerade letzteres oftmals so dramatisch nicht ausfällt.


Mehr kann ich leider ohne Untersuchungsergebnisse (mindestens Reintonaudiogramme (Luft- und Knochenleitung), ev. TEOAEs/DPOAEs, Tympanometrie, BERA etc.) nicht sagen.

Bspw. könnte auch das Problem auftreten, dass die Signale in Folge der Schallübertragung via Schädelknochen besser vom anderen Ohr gehört werden. Damit dies nicht auftritt, dürfen die beiden Knochenleitungshörkuven höchstens Differenzen um 10 bis 15 dB aufweisen. Wobei man natürlich im anderen Falle den Effekt einer CROS- bzw. BICROS-Versorgung erzielen kann (wobei dieser auch durch Verwendung externen Hörgeräte erreicht werden kann oder bspw. durch ein Knochenleitungshörgerät, wobei letzteres bei geringen Differenzen eine ähnliche Funktion abdeckt wie die Soundbridge, allerdings in der Regel etwas dumpf klingt).
Der Vorteil einer externen Hörgeräteversorgung könnte darin bestehen, dass nicht übergehört wird, auch wenn Schallleitungskomponenten nicht ganz optimal versorgt werden. Allerdings hängt dies vom Audiogramm ab.


Gruss fast-foot


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#4 08.06.2015, 22:11
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Nachtrag:

Zitat von Claudia F:
Risiken sind mir bekannt...

Nicht ganz alle. Eine Schädigung des Gegenohres durch den Krach des Bohrmeissels wird nirgends angeführt, was ich hiermit nachhole.

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#5 09.06.2015, 07:06
Claudia F Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Erst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Das muss ich nun erst einmal sacken lassen und mir noch ein paarmal genau durchlesen. Ich habe natürlich einen Fehler gemacht, mit Schallleitung meinte ich Knochenleitung. Die ist bei mir ziemlich schlecht, ich habe leider keinen Hörtest, den ich zeigen könnte, aber bei der Knochenleitung höre ich weder hohe noch tiefe Frequenzen, nur den mittleren Bereich. Die Linie ist da immer recht kurz aber um einiges weiter oben als das tatsächliche Hören, also die mittleren Frequenzen sind recht präsent.
Wenn der Stimmgabeltest auf dem Kopf gemacht wird, höre ich den Ton nur rechts.

Also aus dem Gedächtnis liegt die Knochenschalleitung etwa zwischen 30 bis sinkend 60 db und beginnt etwa bei 0,5 und geht bis etwa 4 (bei khz).
Das Hören liegt ungefähr zwischen 50 und 100 db und ich höre von etwa 0,250 bis 5 oder an guten Tagen 6 (bei khz), aber nur mehr "ganz unten" und mit viel Rauschen im linken Kopfhörer, weil ich sonst den Ton links höre.

Sprachverständnis rechts, da höre ich manchmal ein Wort von 10 richtig, aber eher geraten. Bei (viel) mehr db höre ich bis zu 80%, aber man kann mich ja nicht immer anschreien.
Das Hörvermögen wäre aber also grundsätzlich noch da, zumindest habe ich das so verstanden, weil das hat die Dame beim Hörtest letztes Mal extra getestet, also ob ich diese Konsonanten überhaupt noch hören kann. Ich weiß aber nicht, ob sie das tatsächlich auf Anweisung so machte, sie sagte nur, sie wolle sehen, ob ich die überhaupt noch höre und das tat ich bei entsprechender Lautstärke.

Ich muss nun auch dazu sagen, dass ich heuer von mehreren heftigen Infekten im Kopf- /Halsbereich gequält war, also ich hatte deren 5 und brauchte 3mal Antibiotika, weil auch das Ohr (immer das rechte) mit betroffen war. Könnten da diese Entzündungsherde im Ohr nicht mit verantwortlich sein?

Jedenfalls noch einmal 1000 Dank für deine Einschätzung, danke für deine Mühe. Ich denke, ich werde eine zweite ärztliche Meinung einholen und noch einmal einen anderen Spezialisten aufsuchen.
Aber wie gesagt, ich werde heute, wenn ich mehr Zeit habe, deinen Text noch viel genauer durchgehen.
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#6 09.06.2015, 09:20
brummel070 Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Hallo Claudia
bzgl. deiner Knochenleitungseinschränkung würdest du auf jeden bei einer VSB Implantation den leistungsstärkeren Soundprozessor von Samba brauchen.
Da du ja auch schreibst, dass du Musiker bist:
Ich hatte am letzten Samstag den ersten Auftritt mit meinem Samba Prozessor. Nach nun zwei Jahren "Einhörigkeit" hatte ich nun das erste mal wieder eine "Stereosignal" bei einem Auftritt in meinem Kopf.
Du kannst dir gar nicht vorstellen was ich für eine Gaudi hatte.
Auch ich habe die negativen Einwirkungen wie Geschmacksverlust seit der ersten Chole-OP, sowie seit der Implantation im März 2015 ein taubes Ohrenwaschel im oberen Bereich. Aber das Hörergebnis lässt mich diese "Kleinigkeiten" eigentlich vergessen.
l.G. Harald
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#7 09.06.2015, 15:00
Claudia F Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Danke Harald, deine Geschichte habe ich natürlich interessiert gelesen und die hat mich ja auch so neidisch gemacht.
Es wäre so schön, Musik mal von zwei Seiten zu hören!!!

Ich habe heute wieder hin und her überlegt. Die letzte OP 2003 hatte eigentlich ein gutes Ergebnis, damals hieß es, das Ohr sollte jetzt einfach so bleiben, wenn nichts Schlimmes mehr passiert.
Der Professor jetzt sagt, mein damaliger Operateur hätte wirklich ein Wunderwerk vollbracht aber jetzt wäre es mit der heutigen Technik an der Zeit, das noch zu verbessern und zwar so, dass auch meine Lebensqualität steigt, indem ich wieder besser höre und er diese Herde entfernt. Er spricht von Schleimhäuten, die man auf dem dvt Bild deutlich sieht.

Wenn natürlich nun tatsächlich dieser Effekt eintritt, den fast-foot beschreibt, nämlich dass die Schalleitung wieder nur ans andere Ohr führt, puh... Und die Risiken einer OP sind auch nicht zu verachten.
Nun gut, ich habe noch Zeit bis September mich zu entscheiden, dann muss ich einen Termin machen (den ich natürlich auch noch absagen kann im Falle des Falles). Bin nach wie vor eher für die OP, v.a. die Aussicht, besser zu hören, das wäre himmlisch. Muss ja nicht so gut sein wie am linken Ohr, ich bin ja nicht größenwahnsinnig, alles was besser ist als jetzt wäre so eine Erleichterung.
Mich nervt es einfach, ständig nachfragen zu müssen, nie zu wissen, von woher ich gerufen werde und in Gesellschaft einsam zu sein, wenn sich alle durcheinander unterhalten und ich nicht mitreden kann, weil ich nur Bruchstücke verstehe. :-(

Vielleicht bin ich dafür doch bereit, ein größeres Risiko einzugehen als ich vorher dachte.
Und als Chorleiterin tut man sich auch leichter, wenn man weiß, wo die falschen Töne herkommen. Beim Abmischen meiner Schul-Bands sowieso...
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#8 09.06.2015, 18:59
brummel070 Abwesend
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Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Hallo Claudia
jede Operation birgt Risiken.
Und mit der heutigen Technik, was die Ohroperationen angeht ist das Risiko nicht mehr und nicht weniger als andere "Routineoperation".
Lass dich einfach von Spezialisten aufklären.
l.G. Harald
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#9 09.06.2015, 19:04
Ele44 Abwesend
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Beiträge: 71


Betreff: Re: OP zur Hörverbesserung mit Implantat und Beseitigung von bestehenden Entzündungen
Grüß dich Claudia,

da hast du wohl Recht mit unserer Ähnlichkeit Smiling

Bin mal gespannt, wie deine Überlegungen weitergehen!

Gute Tips kann ich dir nicht geben, leider!
LG Ele
Ist das Leben auch mal trübe - immer hoch die Gelbe Rübe!
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