#1 23.10.2015, 09:40
lilamuck Abwesend
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Beiträge: 46


Betreff: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo,
weiß jemand, ob es irgendwie möglich ist die Gebärdensprache als 3. Fremdsprache im Gymnasium einzuführen.
Kurz zur Situation, mein Sohn ist beidseits mit CIs versorgt und besucht ein Regelgymnasium. Nächstes Jahr steht die Wahl an ober den Sprachlichen Zug (also 3. Fremdsprache) und den Naturwissenschaftlichen Zweig nimmt. In unseren Augen (und auch der Wunsch meines Sohnes) wäre die Gebärdensprache eine logische Alternative zu Spanisch. Hat hier jemand Erfahrung oder kennt jemand eine Regelschule in welcher Gebärdensprache unterrichtet wird?
Freue mich über jeden Hinweis.
Liebe Grüße
Manu
Faller Manuela
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#2 23.10.2015, 14:13
Norbert_S Abwesend
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Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo Manu!
Frag doch den Schmidt und nicht das Schmidtchen Wink .
Ruf (oder maile) das für deinen Bezirk zuständige Regierungspräsidium an. Abteilung Schule und Bildung, kann je nach Bundesland auch etwas anders heißen. Dort ist man für alle Gymnasien zuständig und es gibt eine Referentin für die Fremdsprachen. Die (oder der) hat den Überblick über das ganze Thema und kann dir aus dem Stand sagen, was geht und wenn ja auch wo und wie.
Die Nummer kann dir jede Schule geben.
Viel Erfolg! Und lass bitte von dir lesen.
Nette Grüße
Norbert_S
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#3 23.10.2015, 22:50
Gabriele Abwesend
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Dabei seit: 21.04.2006
Beiträge: 501


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Liebe Manu
Schön von dir zu lesen...ich drück dich mal.
Ansonsten kann ich nichts beitragen, meine jüngste ist in 2 Jahren durch Wink

Gabi
Theresa 25, beids. CI ´08 u.´10 (N5)
Reimplantation re,2011 u. 2012
Lorenz 23, beids. Hg
Sophia 21, beids. CI ´09 u.11 (Hybrid L )u.Kolobom
Alle Kinder progredient.
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#4 25.10.2015, 14:23
Kaja Abwesend
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Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo manu,

Zitat von lilamuck:
weiß jemand, ob es irgendwie möglich ist die Gebärdensprache als 3. Fremdsprache im Gymnasium einzuführen.

du musst in die Rechtsverordnung schauen, die in eurem Bundesland die Sekundarstufe II regelt. Wenn dort abschließend geregelt ist, welche Sprachen als Voraussetzung für das Abitur möglich sind und die Gebärdensprache dort nicht aufgeführt wird, hilft es nicht, wenn dein Sohn diese Sprache zwar in der Schule lernen kann, er auf dieser Basis aber nicht zum Abitur zugelassen wird.

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
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#5 25.10.2015, 15:14
Norbert_S Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 10.02.2008
Beiträge: 221


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo Kaja und Manu!
In den einschlägigen Rechtsverordnungen zu stöbern ist für Nicht-Juristen ziemlich aussichtslos.
Schneller geht es wohl mit der Suchmaschine:
<< Abitur Fremdsprachen Bundesland >>
Für Baden-Württemberg findet man recht hilfreich dieses Papier für Eltern und Schüler (nur als Beispiel):
http://www.kultusportal-bw.de/...Online.pdf

Die Geschichte erfordert aber wirklich fachliche Hilfe, denn: An Gymnasien gibt es die erste, zweite, dritte und vierte Fremdsprache. Je nach gewähltem Kurs sind für das Abi zwei oder drei Sprachen erforderlich. Eine vierte ist freiwillig und ergänzend. Kein Gymnasium bietet Sprachen an, die den Zugang zum Abitur blockieren.
Was Manu erfragen sollte:
-    Gibt es die Gebärdensprache irgendwo als Arbeitsgemeinschaft / Zusatzangebot / Orchideenfach?
-    Gibt es irgendwo einen Schulversuch, der die Gebärdensprache zum Thema hat? Da staunt auch der Insider immer wieder, was es da in einer fernen Ecke alles gibt …
Ich wünsche viel Erfolg!
Nette Grüße
Norbert_S
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#6 25.10.2015, 15:29
Kaja Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 05.04.2007
Beiträge: 617


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo Norbert,

Zitat von Norbert_S:
In den einschlägigen Rechtsverordnungen zu stöbern ist für Nicht-Juristen ziemlich aussichtslos.

Nichtjuristische Erläuterungen sind zwar ganz nett, können aber im Zweifel keine Antwort auf alle Fragen geben und zudem auch von Nichtjuristen falsch verstanden werden. Wenn aber eine Regelung explizit im Gesetz oder in der Rechtsverordnung steht, kann man die Verwaltung auf den Wortlaut der Norm "festnageln". Außerdem überzeugen gesetzliche Regelungen eine Verwaltung mehr als Laienerläuterungen aus dem Internet.

Zitat von Norbert_S:
An Gymnasien gibt es die erste, zweite, dritte und vierte Fremdsprache. Je nach gewähltem Kurs sind für das Abi zwei oder drei Sprachen erforderlich. Eine vierte ist freiwillig und ergänzend. Kein Gymnasium bietet Sprachen an, die den Zugang zum Abitur blockieren.

Wie Manu oben schon schrieb, muss sich ihr Sohn entweder für den sprachlichen oder den naturwissenschaftlichen Zug entscheiden. Hier käme der sprachliche Zug in Betracht, wenn die Gebärdensprache als 3. Fremdsprache wählbar wäre. Es geht hier also schon darum, ob die Voraussetzung zur Zulassung zum Abitur erfüllt sind. Wenn die Gebärdensprache nämlich nur als 4. (freiwillige) Fremdsprache oder gar als Arbeitsgemeinschaft angeboten wird, hilft dies im vorliegenden Fall überhaupt nicht. Es geht Manus Sohn nämlich nicht nur darum, die Gebärdensprache zu erlernen, sondern auch darum, die Voraussetzungen zur Zulassung zum Abitur zu erfüllen.

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
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#7 25.10.2015, 19:01
Norbert_S Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 10.02.2008
Beiträge: 221


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo Kaja!
Sorry, aber die Vorstellung, dass man die Kultusverwaltung einfach mit dem richtigen Gesetzestext „festnageln“ kann, erscheint mir etwas blauäugig. Die kennt ihre eigenen Texte jedenfalls besser Wink .
Gesetze und Rechtsverordnungen regeln Ideal-Fälle. (Bsp.: Grundgesetzt: Artikel 3,2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Warum hat dann meine Frau immer Recht und ich nie?)
Für die Wirklichkeit gibt es daher auch die (meist viel umfangreicheren) Ausführungsbestimmungen. Und da kommt der Laie sofort ins Straucheln, wenn er „soll, kann, ist, in der Regel, nach den Möglichkeiten, künftig, nach einer Übergangsfrist“ usw. zu lesen bekommt.
Dir brauche ich (wieder als Beispiel) das Thema Inklusion eigentlich nicht verklickern. Aber zwischen der Gewährung des Rechtsanspruches und seiner Umsetzung liegen bereits viele Jahre und noch immer ist kein Ende abzusehen. Wenn eine Schule nicht barrierefrei ist und der Schulträger kein Geld hat, dann können sich die Eltern eines kleinen Rollstuhlfahrers (leider!!!) auf den Kopf stellen.
Also: Fachleute fragen …
Nette Grüße
Norbert_S
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#8 25.10.2015, 19:41
Kaja Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 05.04.2007
Beiträge: 617


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo Norbert,

Zitat von Norbert_S:
aber die Vorstellung, dass man die Kultusverwaltung einfach mit dem richtigen Gesetzestext „festnageln“ kann, erscheint mir etwas blauäugig. Die kennt ihre eigenen Texte jedenfalls besser

Dass eine Verwaltung ihre eigenen Gesetze nicht wirklich kennt, erleben wir hier gerade - da wurde mal eben das Wörtchen "öffentliche Schulen" als in der Satzung stehend in den Bescheid geschmuggelt und damit der Transport in eine Privatschule abgelehnt. Hier half das genaue Zitieren der Norm erheblich.

Auch im Fall von Manus Sohn macht es schon einen Unterschied, ob in der relevanten Norm steht, dass Ausnahmen durch das Kultusministerium zugelassen werden können und die Schulverwaltung meint, die Regelung sei abschließend. Dass das nicht stimmt, erkennt auch ein juristischer Laie.

Zitat von Norbert_S:
(Bsp.: Grundgesetzt: Artikel 3,2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Warum hat dann meine Frau immer Recht und ich nie?)

das GG richtet sich an den Staat - und das bist du - zumindest in Bezug auf deine Ehefrau - nun mal nicht

Zitat von Norbert_S:
Für die Wirklichkeit gibt es daher auch die (meist viel umfangreicheren) Ausführungsbestimmungen. Und da kommt der Laie sofort ins Straucheln, wenn er „soll, kann, ist, in der Regel, nach den Möglichkeiten, künftig, nach einer Übergangsfrist“ usw. zu lesen bekommt.

Ausführungsvorschriften dürfen über den Wortlaut der Norm nicht hinausgehen

Zitat von Norbert_S:
Dir brauche ich (wieder als Beispiel) das Thema Inklusion eigentlich nicht verklickern. Aber zwischen der Gewährung des Rechtsanspruches und seiner Umsetzung liegen bereits viele Jahre und noch immer ist kein Ende abzusehen. Wenn eine Schule nicht barrierefrei ist und der Schulträger kein Geld hat, dann können sich die Eltern eines kleinen Rollstuhlfahrers (leider!!!) auf den Kopf stellen.

Auf den Kopf stellen hilft hier nicht wirklich - aber den Anspruch einklagen - zur Not an einer anderen Regelgrundschule oder unter Einsatz von entsprechenden Schulhelfern - schon

Zitat von Norbert_S:
Also: Fachleute fragen …

aber dann die Antworten gezielt auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüfen. Und gut vorbereitet, fragt es sich erfolgreicher

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
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#9 25.10.2015, 20:47
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Kaja, ich stimme Dir zu!
Norbert, Du scheinst deutlich überzeugter von der Kompetenz und der Potenz des Regelschulapparates bis in die Behörden hoch als ich.
Wir erleben immer wieder, je besser man informiert ist, je mehr man nachhakt, desto mehr erreicht man.
Und: wieviele Fehler passieren, sieht man regelmäßig an den Beihilfeabrechnungen. Das kennst Du sicher auch. Meinst Du, das passiert in der Kultusverwaltung nicht? Vielleicht hinkt das Beispiel, aber überall sitzen doch die gleichen Menschen.
Manu, vielelicht hat es noch Sinn, die zuständige Förderschule um Rat zu fragen. Die machen ja auch den mobilen Dienst, vermute ich.
Ich finde die Idee Deines Sohnes großartig.
In unserer Schule, die im Aufbau ist, steht gerade Niederländisch als dritte Fremdsprache zur Diskussion. Auch das ist wohl möglich, zumindest hier in Niedersachsen.
HG, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 26.10.2015, 15:28 von otoplastik. ↑  ↓

#10 27.10.2015, 09:52
Momo Abwesend
Mitglied
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Beiträge: 5.156


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo zusammen,

leider ist DGS in Deutschland kein anerkanntes Unterrichtsfach. Es gibt zwar Schulen, die es anbieten in diversen AGs oder als bilinguale Schuverscuhe, aber als für das Abitur anrechenbare Fremdsprache ist es nicht anerkannt.
Die Begründungen sind ziemlich haarsträubend, warum es auch kein Unterrichtsfach (anerkannte (Fremd)Sprache ) sein soll. Es wird seitens einiger Verbände daran gearbeitet dies durchzusetzen, aber ich fürchte für deinen Sohn, lilamuck, wird das nicht mehr hinhauen.

Mehr Chancen hat man vielleicht als DGS-Muttersprachler sich DGS als Fremdsprache anerkennen zu lassen, aber auch da ist mir (noch) kein Fall bekannt. In meinen Augen ein Unding, da DGS eine anerkannte Sprache ist.

Hinzu kommt dann auch noch das Prolbem, dass es ausgebildete Lehrer geben müsste, die DGS auch unterrichten könnten...

Dennoch lilamuck, kann ich dir nur empfehlen diesen Wunsch mit Nachdruck dem Kultusministerium und der zustädnigen Schulbehörde gegenüber zu äußern, denn ich denke nur, wenn viele Leute sich das wünschen wird es irgendwann mölich sein- hoffentlich!

Liebe Grüße
Wiebke und Sohn (16 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
Beratungsstelle des Bundeselternverbands gehörloser Kinder e.V.
http://gehoerlosekinder.de
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#11 27.10.2015, 13:53
Norbert_S Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 10.02.2008
Beiträge: 221


Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo zusammen!
Darf ich mich nochmal einklinken?
Hier findet man die Liste der offiziellen deutschen Abitur-Fremdsprachen. Von höchster Instanz!
http://www.kmk.org/...achen.html
Liest sich (für mich und zunächst) irgendwie abschließend. Und die Angebote von Niederländisch, Dänisch, Tschechisch und Polnisch sind nicht wirklich exotisch, sondern einfach Minderheiten-Sprachen.

Aber wir wären nicht das Musterland des Bildungs-Föderalismus, wenn es nicht doch abweichende / ergänzende Sonderregelungen gäbe.

Interessant die nicht in der KMK-Liste enthaltenen Sprachen-Angebote spezieller Gymnasien.
ZB. Sorbisches Gymnasium Bautzen, Träger ist der Landkreis, also "Regel-Schule".
Oder: Das Litauische Gymnasium in Hessen, Träger ist ein Förderverein, der das Gymnasium als Privatschule betreibt. Und da geht Litauisch als zweite oder dritte Fremdsprache im Abitur!
Und Neugriechisch gibt es in NRW.
Und in Berlin gibt es für die DGS einen eigenen Bildungsplan (für Grundschule und Sekundarstufe bis Klasse 10):
https://www.berlin.de/...prache.pdf

Ich bin kein DGS-Fachmann, aber die kritischen Punkte dürften dabei die Nachfrage (einer oder hundert?) und die Verfügbarkeit (ausgebildete Lehrkräfte vorhanden?) sein. Und im Falle der DGS wohl auch die Möglichkeit einer schriftlichen Prüfung …
Und ich stimme Momo (wieder gerne Wink ) zu: Oben anklopfen und Bedarf melden.
Nette Grüße
Norbert_S
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#12 27.10.2015, 15:05
Tuchel48.1.1 Abwesend
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Dabei seit: 14.05.2015
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Betreff: Re: Gebärdensprache am Regelgymnasium als 3. Fremdsprache
Hallo, Manuela, am Ehesten wirst du in einer Integrationsschule die Möglichkeit finden, daß dein Sohn Gebärdensprache als 3. Fremdsprache lernen kann, dort wird sie wahrscheinlich die ganze Zeit im Unterricht angewandt. Das Lernen wird für ihn auch deshalb leichter, weil auf die Schwerhörigkeit mehr Rücksicht genommen wird als in einer Regelschule.
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