#1 04.01.2016, 12:49
maxi996 Abwesend
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Beiträge: 30


Betreff: Power-Hörgeräte?
Hallo,

unser Sohn (knapp 6 Monate, Frühchen, Charge-Syndrom) trägt seit November die Hörgeräte Phonak Sky Q zur Probe. Wir hatten damals einen Pädakustiker vom Krankenhaus bekommen, der ihn auch noch dort versorgt hat. Inzwischen ist unser Sohn zu Hause und wir hatten kurz vor Weihnachten einen Termin in der Pädaudiologie. Die dort angeschlossenen Akustiker haben dann auch noch mal die Hörgeräte ausgelesen und sich die bisher vorliegenden Befunde angeschaut. Eine Klick-Bera unter Vollnarkose ergab eine Hörschwelle von 80 dz beidseits, bei der Reaktionsaudiometrie in der Päadaudiologie waren sie sich relativ sicher, bei 60-70 dz eindeutige Hörreaktionen festzustellen. Generell waren sie mit der Einstellung der Hörgeräte zufrieden, gaben aber noch mal als Anregung mit auf den Weg, eventuell auf Hörgeräte mit mehr Spielraum (Power-Geräte?) umzusteigen. Dies hatte mir auch schon eine andere Charge-Mutter empfohlen. Bisher meinte unser Akustiker aber, die Phonak Sky seien ausreichend... Welche Power-Geräte kommen denn da für Säuglinge in Frage? Wo genau liegt der Unterschied zwischen normalen Geräten und diesen Power-Geräten? Würdet ihr einen Wechsel empfehlen? Ich telefoniere in den nächsten Tagen mit unserem (im übrigen sehr engagierten) Akustiker, wollte mich aber vorab schon mal ein wenig informieren...
LG
Maxi
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#2 04.01.2016, 13:16
fast-foot Abwesend
Mitglied
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Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Power-Hörgeräte?
Hallo Maxi996,

Zitat von Maxi996:
Die dort angeschlossenen Akustiker haben dann auch noch mal die Hörgeräte ausgelesen und sich die bisher vorliegenden Befunde angeschaut. Eine Klick-Bera unter Vollnarkose ergab eine Hörschwelle von 80 dz beidseits, bei der Reaktionsaudiometrie in der Päadaudiologie waren sie sich relativ sicher, bei 60-70 dz eindeutige Hörreaktionen festzustellen.

Laut Empfehlung der DGPP gehören zu den zu erhebenden Messergebnissen in diesem Alter unter anderem noch eine frequenzspezifische BERA (welche mindestens die Hörschwellen bei 500 Hz und 3 kHz ermittelt), TEOAEs/DPOAEs, eine Tympanometrie (und eine Knochenleitungs-BERA).

Leider kann ich ohne diese Daten nicht viel über die benötigten Hörgeräte sagen (in Frage kommende geräte ergeben sich aus dem ermittelten (bzw. als wahrscheinlich angesehenen) Hörverlust).

Die Anpassung muss mittels in-Situ-Messung (o.ä.) überprüft werden. Man kann sich bis zu einem Alter von sechs Monaten nur auf eine Beobachtungsaudiometrie abstützen und gleichzeitig überprüfen, ob die Begrenzung nicht zu hoch eingestellt ist (ob also bei hohen akustischen Eingangssignalen keine Abwehrreaktion erfolgt).


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#3 04.01.2016, 14:39
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Power-Hörgeräte?
Hallo maxi996,

Power bedeutet erstmal, dass die Geräte eine starke Verstärkung haben.
Hörgeräte sind für verschiedene Hörverluste ausgelegt, je größer der Hörverlust, desto mehr "Power" müssen die Geräte haben.

Ich weiß nicht, welches Phonak Sky Ihr genau habt und wie der (vermutete) Hörverlust Deines Sohnes damit abgedeckt ist.
Bei meinem Sohn haben wir die Erfahrung gemacht, dass das HG, das seinen Hörverlust schon noch abdeckte, aber dann keine Reserven mehr in der Verstärkung hatte, für ihn weniger Sprachverständnis brachte als das nächststärkere HG.
Er hat als Power HG das Phonak Naida S IX UP. Vielleicht gibt es auch von der Reihe Sky ein Power HG, das weiß ich nicht.
Vermutlich ist aber die Verstärkung des HG, das er hat, für die Pädaudiologen entweder nicht ausreichend oder sie fänden es wichtig, dass es im HG noch Verstärkungsreserven gibt, falls es zu einer Verschlechterung kommt oder falls die Hörschwelle doch nicht ganz so gut ist, wie man vermutet.
HG otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
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#4 04.01.2016, 15:44
maxi996 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 27.08.2015
Beiträge: 30


Betreff: Re: Power-Hörgeräte?
Hallo,

vielen Dank für die Auskünfte! Genau, otoplastik, die Pädaudiologen hätten gerne noch etwas mehr Verstärkungsreserven und die sind bei dem bisherigen Modell wohl nicht ausreichend gegeben. Welches Phonak Sky wir aktuell haben weiß ich selber gar nicht. ich wusste auch gar nicht, dass es da verschiedene gibt Surprised

Fast-foot, hier noch einige weitere Befunde: Also TEOAE und AABR beidseits auffällig. Tympanometrie wurde auch gemacht, das Schwingen der Trommelfelle war soweit in Ordnung hatte man mir gesagt. Es gibt auch scheinbar keine Flüssigkeit hinter dem Trommelfell - das wurde bei der letzten OP auch noch mal überprüft. Eine Frequenz-Bera soll demnächst durchgeführt werden. Problem ist, dass unser Sohn auf Melatonin einmal sehr heftig reagiert hat und die Praxis die Bera nur in einer Kinderklinik durchführen lassen möchte. Das bedeutet also wieder eine Narkose und da Ende Februar ohnehin wieder eine OP ansteht, soll es vermutlich da mitgemacht werden. Vielleicht helfen diese Kenntnisse ja noch etwas weiter?

Uns wurde von der Pädaudiologin neben Phonak noch Oticon als mögliches Gerät empfohlen. Ist das eigentlich Geschmackssache oder welche Vorteile bzw. Nachteile haben die einzelnen Marken?

LG
Maxi
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#5 05.01.2016, 13:12
fast-foot Abwesend
Mitglied
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Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Power-Hörgeräte?
Zitat von maxi996:
Fast-foot, hier noch einige weitere Befunde: Also TEOAE und AABR beidseits auffällig. Tympanometrie wurde auch gemacht, das Schwingen der Trommelfelle war soweit in Ordnung hatte man mir gesagt. Es gibt auch scheinbar keine Flüssigkeit hinter dem Trommelfell - das wurde bei der letzten OP auch noch mal überprüft. Eine Frequenz-Bera soll demnächst durchgeführt werden.

Dann sieht es immerhin danach aus, als sei von einem Recruitment auszugehen (in Folge einer Schädigung der OHCs im Innenohr - auf Grund der TEOAE-Ergebnisse; zumindest in gewissen Bereichen) und keine Schallleitungskomponente vorhanden.

Laut ersterem muss man eher davon ausgehen, dass die Unbehaglichkeitsschwellen - trotz einigermasser hoher Hörschwellen - nicht unbedingt viel höher liegen müssen als bei Normalhörenden (es ist eben vermutlich so, dass Hör- und Unbehaglichkeitsschwellen nahe beieinander liegen).

Die nicht vorhandene Schallleitungskomponente scheint auszuschliessen, dass sich Paukenergüsse auflösen und daher ab einem bestimmten Zeitpunkt eine geringere Verstärkung/Begrenzung notwendig sein wird.

Die frequenzspezifische BERA liefert Anhaltspunkte über die Hörschwellen in verschiedenen Frequenzbereichen. Je nachdem ist vielleicht ein anderes Gerät notwendig, um eine allenfalls höhere erforderliche Verstärkung im Tieftonbereich zu erreichen (was je nachdem erst durch Berücksichtigung der Ergebnisse der frequenzspezifische BERA erkannt werden könnte).


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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