#1 03.05.2016, 21:11
KWolf Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 03.05.2016
Beiträge: 4


Betreff: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo,
unser Sohn ist jetzt 11 Monate alt und hochgradig schwerhörig.
Er hört auf einem Ohr ab ca. 85 dB und auf dem anderen Ohr ab ca. 75 dB. Aktuell ist er mit Hörgeräten versorgt und reagiert auch auf die unterschiedlichsten Geräusche.

Uns wurde eine CI-Implantation auf der schlechteren Seite angeraten um die Sprachentwicklung zu fördern.
Auch für das zweite Ohr ist ein CI angeraten. Wir sind bezüglich der OP trotz all der Vorteile eines CI immer noch sehr zurückhaltend. Wir haben einfach Bedenken, da es sich um eine Kopf-OP handelt.
Hat jemand Erfahrung mit einer ähnlichen Hörschwelle ohne CI? Wie verlief die Sprachentwicklung?
Gibt es auch Vorteile nur eine Seite mit CI zu versorgen und die bessere Seite (75dB) mit Hörgerät versorgt zu lassen?

Schöne Grüße
KWolf
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#2 03.05.2016, 21:42
maxi996 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 27.08.2015
Beiträge: 30


Betreff: Re: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo KWolf,

ich kann dir zwar keine Erfahrungsberichte liefern, aber wir stecken in einer ähnlichen Situation. Die Hörschwellen bei uns liegen ähnlich, auf einem Ohr etwas schlechter als bei euch. Allerdings haben wir auch viel Last mit Paukenergüssen. Wir haben jetzt alle Unterlagen weg geschickt und werden uns auch beraten lassen. Bei uns herrscht auch noch viel Skepsis, da bei uns die Schwerhörigkeit Teil eines Syndroms ist. Ich kenne zwei Kinder, die mit ähnlichen Hörschwellen nur mit Hörgeräten in die Sprache gekommen sind, aber eben auch welche, die dies trotz CI nicht geschafft haben. Allerdings haben diese das Charge-Syndrom und da sind eure Voraussetzungen sicherlich deutlich besser. Wo habt ihr euch denn vorgestellt zwecks CI?

Viele Grüße,
Maxi
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#3 03.05.2016, 22:50
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo KWolf,
auch hier herzlich willkommen!
Ich habe ja schon an anderer Stelle dazu geschrieben.
Hier in diesem Forum gibt es eine Mutter, die eine Tochter mit CI und HG hat, ich glaube, sie ist auch vor dem ersten Lebensjahr implantiert
Sie heißt MadCat und ist sehr nett, Du kannst sie sicher auch per PN anschreiben und direkt fragen.
Liebe Grüße, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
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#4 04.05.2016, 08:29
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo KWolf,

ich möchte ein paar Punkte zu bedenken geben:

1. Die Hörschwelle in diesem Alter liegt bei Normalhörigkeit bei mindestens 20 dB - das heisst, dass der "relevante" Hörverlust bei höchstens 65 dB liegt (siehe auch Punkt 2).

2. Die genaue Hörschwellenbestimmung in diesem Alter ist aus verschiedensten Gründen schiwierig - es muss nicht sein, dass die Höhe des Hörverlusts genau zutrifft.

3. Oftmals sind Paukenergüsse im Spiel - diese können die Hörschwellen um bis 30 dB erhöhen (bzw. nach Auflösung erniedrigen).

4. Gehe ich davon aus, dass die Hörschwelle im Hochtonbereich bei 85 dB liegt, so werden (sind die Hörgeräte schliesslich entsprechend eingestellt) Geräusche ab Pegel von 30 dB gehört. Bei Verwendung eines CIs ändert sich dies auch nicht wesentlich (da es keinen Sinn ergibt, Geräusche mit Pegel von 0 dB hörbar zu machen (was theoretisch möglich wäre)).

5. Eine Hörgeräteversorgung kann die Entwicklung der retrocochleären Häörbahnen anstossen, so dass sich die Hörschwelle auch auf Grund dieses Umstandes (und wegen der sich verbessernden Messgenauigkeit und allenfalls sich auflösender Paukenergüsse etc.) noch bessern können.

6. Die Qualität des Hörens mit CI ist eine andere als die des natürlichen Hörens - auch wenn letzteres eingeschränkt ist. Ab wann ein CI mehr Vorteile bringt (und hier spreche ich nur vom Hören selbst), ist nicht einfach einzuschätzen. Ein einigermassen intaktes Hören im Tieftonbereich (dieser ist oftmals weniger eingeschränkt als der Hochtonbereich) kann niemals durch ein CI "ersetzt" werden - zu stark sind die Einschränkungen.

7. Bei Interesse kannst Du sämtliche Untersuchungsergebnisse (insbesondere auch die Potentialkurven der BERAs ("Zick-zack-Linien")) und Berichte anonymisiert hier hochladen, so dass ich mir ein genaueres Bild von der Hörstörung machen kann.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#5 04.05.2016, 13:26
blacky_kyra Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.04.2012
Beiträge: 289


Betreff: Re: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo KWolf,

herzlich Willkommen hier im Forum. Mein Sohn ist einseitig mit CI und auf der anderen Seite mit HG versorgt. Wir haben uns auch reichlich Zeit gelassen, mit der Überlegung ob wir ihn implantieren lassen. Erst als klar wurde, dass er auf dem rechten Ohr praktisch kein Sprachverstehen mit HG hat, haben wir der OP zugestimmt. Da war er 18 Monate alt und hat auch schon ein paar Wörter gesprochen wie Mama, Papa und Auto. Seit der Anpassung des CI's hat er sprachlich wirklich einen Satz gemacht und wurde ab da an insgesamt aufgeschlossener. Aus heutiger Sicht würde ich es immer wieder so machen.
Uns wurde auch angeraten die zweite Seite implantieren zu lassen. Dort hört er zw. 60dB im Tieftonbereich und 90dB im Hochtonbereich. Damit haben wir es aber nicht so eilig. Das kann mein Sohn dann selbst entscheiden wenn er alt genug ist. Ein Vorteil hat das CI auf jeden Fall wenn Störgeräusche vorhanden sind. Da hört er mit CI die Sprache raus, mit HG dagegen nicht.
Wenn bei euch noch nicht ganz klar ist, wieviel er mit HG versteht, dann würde ich eher zum Abwarten raten. Bis ca. 2 Jahre kann man da ruhig noch die Entwicklung beobachten.
Gern kannst du mir auch per PN schreiben Wink .

LG blacky_kyra
Happy Sohnemann (geb. 2011)
trägt links ein HG Phonak-Q50 UP bei 91% HV
und rechts Med-el CI: Sonnet:}
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#6 04.05.2016, 23:43
KWolf Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 03.05.2016
Beiträge: 4


Betreff: Re: CI-Versorgung beim Kleinkind - Erfahrung zur Sprachentwicklung
Hallo,

danke für die schnellen Antworten. Ich habe jetzt nochmal einen Termin in der Uniklinik zur Abklärung der Hörschwelle vereinbart. Danach entscheiden wir weiter.

Schöne Grüße
KWolf
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