#1 18.05.2016, 16:52
rotichfab Abwesend
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Beiträge: 1


Betreff: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Meine Nichte ist schwerhörig und mit einem Gehörlosen verheiratet. Deren 4 jähriges Kind ist ebenfalls schwerhörig. Das Kind besucht einen Kindergarten für Hörgeschädigte. Nun ist aber seit einiger Zeit aufgefallen, dass sie vor allem bei Zuschauern alles mögliche über Stunden auf den Boden schmeißt. Die Mutter ist völlig überfordert. Wie kann man helfen?
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#2 18.05.2016, 21:24
Gabriele Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Hallo

Entweder sind die Hörgräte nicht richtig eingestellt oder die kleine durchlebt ne heftige Trotzphase

LG
Gabi
Theresa 25, beids. CI ´08 u.´10 (N5)
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#3 21.05.2016, 09:27
Momo Abwesend
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Beiträge: 5.158


Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Hallo,

die Frage ist erst einmla, ob es überhaupt mit der Hörschädigung des Kindes direkt zusammenhängt oder evtl. indirekt oder gar nicht.
Klingt blöd und wird nicht gerne gemacht, aber ich würde dringend empfhelen dass die Eltern sich Hilfe holen, z.B. bei einer Erziehungsberatungsstelle oder dem Jugendamt.

Grüße
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#4 21.05.2016, 09:57
MadameBovary Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Hallo,

eine normale Erziehungsberatungsstelle bzw. Jugendamt würde ich erst aufsuchen, wenn folgende (und andere nicht aufgelistete) Optionen nicht erfolgreich waren. Leider haben viele normale Erziehungsberatungsstellen, Familienhelfer, Jugendämter kaum oder keine Erfahrung mit einer gehörlose Familie:

- Außenstehende sollen vielleicht so kommunizieren, dass das 4jährige Kind auch verstehen kann. Es wurde geschrieben, dass wenn "Zuschauern" da sind, auf dem Boden geschmissen wird. Vielleicht ist das Frust, dass sie hörende? Zuschauer nicht verstehen kann, also wenn die restliche Verwandschaft außer den Eltern nur lautsprachlich kommuniziert und sie dann außen vor ist. Während die hörbehinderte Familie unter sich ist, gibt es keine Barrieren.

- Sucht Aufmerksamkeit von "Zuschauern", die wohl nur die Eltern ansehen oder untereinander lautsprachlich kommunizieren, während das Kind eher das Gefühl hat, am Rande zu stehen. Gerade Hörende unterhalten sich gerne viel und schnell und das ist vielleicht für das Kind frustierend, dass sie nicht mitreden bzw. mitverfolgen kann
--> Sie hat herausgefunden, dass, wenn sie etwas zerstört, dass man dann ihr Aufmerksamkeit schenkt. Normalerweise sollte man es ihr erklären können, warum soetwas nicht getan wird und sie fragen, warum sie Frust hat. Hat sie Frust, dass die Außenstehende keine Gebärden benutzen?

- Erziehungsberatungsstelle für hörbehinderte Familienmitglieder aufsuchen, anrufen, anmailen (es gibt eine solche z.B. in Karlsruhe, Frankenthal)

- Familienwochenende, Kontakte zu anderen hörbehinderte Familien aufsuchen um auszutauschen.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass hörende Verwandschaft (auch die hörenden Großeltern) überfordert sind, wenn Mama und Papa hörbehindert sind und Kind auch hörbehindert sind.
Da prallen manchmal zwei Welten aufeinander.

Es ist für hörende Eltern/Verwandschaft schwierig, wenn ihre eigene hörbehinderte Kinder selbst hörbehinderte Kinder bekommen, dann klappt das Verhältnis manchmal nicht mehr wie gewohnt, weil die hörbehinderten Kinder hörender Eltern sich oft an hörenden Eltern/Verwandschaft anpassen - diese sind gewohnt, nicht alles mitzubekommen und zu verstehen. Aber die hörbehinderten Kinder der hörbehinderter Eltern sind von klein auf gewohnt, alles mitzubekommen, zu verstehen und lassen es sich eventuell nicht gefallen, nicht alles mitzubekommen, weil sie gewohnt sind, dass ihre eigene hörbehinderten Eltern barrierenfrei zu verstehen?!

- außerdem mögen manche Kinder generell nicht, wenn man über diese redet und nicht mit ihnen.

Nur ein Ansatz.

Der obrigen Text verrät nicht arg viel.
Viele Grüße
MB
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 21.05.2016, 10:00 von MadameBovary. ↑  ↓

#5 21.05.2016, 10:46
Gabriele Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Hallo?

Hier ist die Rede von einem trotzigen 4 jährigen Kind, welches auch schwerhörig ist.
Warum soll man denn da zu einer Erziehungsberatungsstelle gehen?
Meine Kinder haben alle die Trotzphase durchlebt, das hatte rein garnichts mit der sh zu tun.
Der Tipp mit der Erziehungsberatungsstelle finde ich ein wenig überzogen.

Gabi
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#6 21.05.2016, 12:04
otoplastik Abwesend
Moderator
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Beiträge: 497


Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Gabi, weil oben steht, die Mutter sei völlig überfordert.
Wenn sie sich wirklich selber so fühlt, dann halte ich Hilfe auch für angemessen.
Überfordert haben wir uns mit unseren Kindern alle mal gefühlt. Ich zumindest. Aber nicht völlig überfordert.
Im Grunde sind es aber zu wenig Infos, die wir bekommen haben, um uns ein genaueres Bild zu machen und wirklich Ratschläge geben zu können.

Vielleicht fühlt sich die Mutter ja auch gar nicht überfordert sondern sieht das genauso wie Du, Gabriele. Aber das wissen wir nicht.
Vielleicht schreibt der/die Threaderöffner ja noch mehr dazu.
HG otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
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#7 21.05.2016, 17:10
Momo Abwesend
Mitglied
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Liebe Gabi,

ich finde es eher schwieirig, dass jemand Drittes stellvertretend für die Eltern im Internet- in einem öffentlichen Forum- Hilfe sucht.
Ich denke, wenn die Mutter wirklich völlig überfordert ist, dann ist da professionelle Beratung vor Ort sinnvoller, denn wir können uns so kein Bild davon machen was wirklich los ist.
Ich stelle mir die Frage, warum der Schwerhörigenkiga, den das Kind besucht, den Eltern nciht unterstützend zur Seite steht und ggf. an entsprechend geschulte Stellen verweist.

Vielleicht ist es "nur" die normale Trotzphase, vielleicht aber auch nicht. Wir haben keine Infos und daher finde ich Tipps eher schwieirig. Deshalb meine Empfehlung sich eher professionelle Hilfe zu holen.

In diesem Sinne einen schönen Samstag noch
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#8 21.05.2016, 17:12
Momo Abwesend
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Beiträge: 5.158


Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Liebe(r) rotichfab,

erste Beratung -auf Wunsch auch in DGS_ kann die Familie auch hier finden:
http://gehoerlosekinder.de/...en-eltern/
Laura Häußer steht dort für diesen Schwerpunkt zur Verfügung und vermittelt ggf. auch an Beratungsstellen weiter.

Grüße
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#9 21.05.2016, 17:46
KatjaR Abwesend
Moderator
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Kinder mit einer Hörbehinderung sind leider in erheblich höherem Maß (2,6 fach) von Verhaltensauffälligkeiten betroffen als hörende Kinder. Daher ist es sehr sinnvoll sich frühzeitit Hilfe zu holen, bevor sich solche Muster chronifizieren. Je früher man dagegen steuert, desto aussichtsreicher ist es.
Langjährige CI-Trägerin (AB) Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.
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#10 22.05.2016, 13:51
Momo Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Genau KatjaR. Und hier kommt noch ein zweiter Risikofaktor dazu.
Das Kind ist Kind gehörloser Eltern....
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#11 22.05.2016, 22:25
KatjaR Abwesend
Moderator
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Das ist eigentlich kein zusätzlicher Risikofaktor Momo, oder hast du das ironisch gemeint? Dadurch dass hörgeschädigte Kinder gehörloser Eltern meist keine Kommunikationsprobleme zu Hause haben ist das Risiko eher gerigner als höher für Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Probleme.
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#12 24.05.2016, 07:20
Melanie_Gera Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Ich war gerade im Forum auf der Suche nach genau diesem Thema. Die Hemmschwelle, zu einem (Kinder-)psychologen zu gehen ist sehr hoch, deshalb danke ich für den Tipp "Eltern beraten Eltern".
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#13 24.05.2016, 14:34
Momo Abwesend
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1  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
nein, das war nicht ironisch.
Ich habe schon erlebt, dass gl Eltern mit irhen Kindern sprechen und dem Kind damit u.a. nicht klar ist, dass die Eltern aber Lautsprache nicht verstehen und die Gebärdensprachkompetenz der Kinder schlecht ist und es sehr wohl zu Kommunikaitonsproblemen kommt.
Zum Beispiel...
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#14 24.05.2016, 16:18
KatjaR Abwesend
Moderator
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Ah, danke für die Antwort, wobei ich das Risiko für solche Verhaltensweisen bei hörenden Eltern noch für höher halte als bei gehörlosen Eltern. Zu unterscheiden wäre ja auch noch wann und wo das Verhalten auftritt, im Beisein der Eltern, mit denen es kommunizieren kann(?) oder nur wenn diese nicht dabei sind und es deswegen zu Kommunikationsproblemen kommt. Sorry wenn ich so hinterher hake, aber das Thema finde ich einfach sehr wichtig, weil grade Verhaltensauffäliigkeiten bei hörgeschädigten Kindern ein großes Problem darstellen und der allseits heiß umjubelten Inklusion doch arg im Wege stehen können. Den Studien zu Folge die mir bekannt sind, treten Verhaltensauffälligkeiten bei hörgeschädigten Kindern gehörloser Eltern eher seltener auf und Theorie of Mind ist besser ausgeprägt. Daher überrascht mich deine Sichtweise Momo, aber Durchschnittswerte sagen eh nie etwas über den Einzelfall aus. Gut wenn es dazu Beratung bei euch gibt, eine Kinderpsychologin ohne Spezialkenntnisse in Bezug auf Hörschädigung wäre wohl tendenziell überfordert. LG Katja
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#15 25.05.2016, 21:51
Melanie_Gera Abwesend
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Zitat von KatjaR:
Den Studien zu Folge die mir bekannt sind, treten Verhaltensauffälligkeiten bei hörgeschädigten Kindern gehörloser Eltern eher seltener auf und Theorie of Mind ist besser ausgeprägt.

Was bedeuted "Theorie of Mind"?
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#16 26.05.2016, 13:26
KatjaR Abwesend
Moderator
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Betreff: Re: Schwerhöriges Kleinkind ,4 ,mit Zerstörungswut
Sehr komplexes Thema und schwierig kurz und knapp zu beantworten, da es sich auf mehreren Ebenen darstellt. Kurz definiert bedeutet es, dass das Kind in der Lage ist, nicht nur seine eigene Sicht wahrzunehmen, sondern auch die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, was eine Schlüsselfunktion darstellt für die soziale Kompetenz.
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