#1 28.06.2016, 09:53
Hoffi Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.10.2011
Beiträge: 334


Betreff: Programmierung, Kompression
Hallo

ich habe da mal eine Frage an alle, die sich in der Programmierung der HG etwas auskennen.
Welchen Einfluss hat i. a. (und aus Erfahrung) die Einstellung der Kompression auf die Sprachqualität ( z. B. Halleffekte, dröhnen, schrill, kehlig, quietschen usw.)?

Gruß
Hoffi
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#2 28.06.2016, 13:13
Musiker_72 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2014
Beiträge: 656


Betreff: Re: Programmierung, Kompression
Hallo,

das kann man so pauschal nicht sagen.

Das gesunde Gehör komprimiert ja auch, verantwortlich dafür sind die äußeren Haarzellen.

Angenommen, Du hast einen reinen Schallleitungshörverlust von 20 dB über alle Frequenzen. Dann kannst Du Dein Hörgerät einfach auf 20 dB Verstärkung einstellen, keinerlei Kompression, und fertig (ein ideales Hörgerät vorausgesetzt, im Detail ist es dann doch etwas schwieriger).

Wenn Du aber eine Innenohrschwerhörigkeit hast, dann musst Du komprimieren, weil die Fähigkeit der äußeren Haarzellen, dies zu tun, nicht mehr (oder weniger) gegeben ist.

Ein Nebeneffekt von starker Kompression ist z.B., dass man leise Nebengeräusche (wie etwa das Rascheln von Papier) sehr laut hört, während man laute Sprache im Störgeräusch (etwa in einem Restaurant) nicht versteht, weil alles "zermatscht" klingt.

Ein Nebeneffekt von zu wenig Kompression wäre, dass man leise Sprache trotz Hörgerät nicht versteht (auch wenn es ruhig ist) und einem im Restaurant alles zu laut ist.

Mit starker Kompression hört man mehr Nachhall, weil Nachhall leise ist. Allerdings darf man nicht vergessen, dass normalhörige diesen Nachhall ebenfalls hören, er kommt ihnen nur nicht ungewöhnlich laut vor.

Die Kompression muss also passend zum Hörverlust eingestellt sein, das Hörgerät muss ggf. die Kompression automatisch je nach Hörsituation ändern können.
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#3 30.06.2016, 07:42
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Programmierung, Kompression
Vielleicht noch als Ergängung:

Ein Gehör komprimiert auf eine andere Weise, als dies ein Hörgerät tut. Und selbst, wenn das Hörgerät exakt so komprimieren würde wie das Gehör, würde dies im Falle einer Dysfunktion der OHCs "nichts nützen".

Der Grund liegt darin, dass letzteres in der Lage ist, lokale Maxima (in Bezug auf die Auslenkung der Basilarmembran) zu bestimmen und dort diese in einem sehr schmalbandigen Bereich extrem zu verstärken (paradoxerweise folgt hieraus, dass zwei sehr verschiedene akustische Signale (theoretisch mehr oder weniger) genau gleich klingen können). Wird dem Ohr nun ein entsprechend aufbereitetes Signal angeboten, kann vom (entsprechend pathologischen Gehör) die beschriebene Funktion trotzdem nicht mehr wahr genommen werden - die (lokal sehr starke, aber auch lokal sehr begrenzte Kompression) des Gehörs kann also gar nicht wirklich kompensiert werden (jedenfalls nicht auf die Weise, wie es aktuell ein Hörgerät macht).


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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