#1 27.04.2018, 22:52       ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Liebe Community,

vielleicht weiß jemand des Rätsels Lösung, ich verstehe die Krankenkasse (TK) nicht.

Habe am 7. April 2018 bei der TK den Antrag auf die Versorgung mit dem Oticon Opn 1 und volle Kostenübernahme gestellt sowie beruflich begründet.

Nun bekomme ich heute (27.04.2018) von der TK ein Schreiben, man freue sich darüber, mir die Festbeträge für das Hörgerät zu erstatten. Den Rest solle ich selbst zahlen unter Verweis auf Vereinbarung mit den Akustikern blablabla. Mit keinem Wort wird auf die geschilderte berufliche Situation eingegangen. Geschweige denn wurde der Antrag zur Deutschen Rentenversicherung weitergeleitet.

Wie erhalte ich von denen einen rechtsmittelfähigen Bescheid? Versteht jemand, was das soll? Und haben die nicht gepennt und sind jetzt in der Kostenübernahmepflicht? Mir war da was mit 14 Tagen innerhalb derer an den zuständigen Leistungsträger zu übermitteln sei.

Helpless
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#2 28.04.2018, 07:12   ↑    ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
moin,
zu deinen Fragen:

1.
die TK hat dir diese - korrekte - Mitteilung zukommen lassen, weil sie zur Erfüllung ihres Versorgungsauftrages des "UN-mittelbaren" Behinderungsausgleiches folgenden Versorgungsvertrag mit der Hörgerätevertriebsbranche vereinbart hat:

https://www.vdek.com/...g%2011.pdf

2.
für den - darüber hinaus gehenden - nur "mittelbaren" Behinderungsausgleich (z.B. berufsbedingter Sonderbedarf) KANN sich der Rentenversicherungsträger kostenmäßig beteiligen. MÜSSEN muss er es NICHT.

3.
inwieweit sich daraus also eine quasi "Weiterleitungspflicht" der TK - und dann noch innerhalb einer knapp bemessenen Frist - ergeben könnte, das entzieht sich meiner logischen Vernunft Smiling

eine zusammenfassende Beratungsrichtlinie findest du hier:

http://www.hoerrohr.org/...tlinie.pdf

mit hG
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
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#3 28.04.2018, 09:06   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Deine verlinkte Beratungsrichtlinie ist von 2012! Damit hoffnungslos veraltet.

Wenn ein Leistungsträger sich für den Antrag nicht zuständig fühlt, dann hat er zwingend den Antrag an den in seinen Augen zuständigen Leistungsträger weiterzuleiten; und zwar binnen zwei Wochen, wenn mich nicht alles täuscht. Damit soll der Verschiebebahnhofpraxis zwischen den Leistungsträgern, welche speziell die TK ganz gern fährt, Einhalt geboten werden. Das war die Auskunft vom HÖRBIZ Berlin.

Dazu müssten die MA der Krankenkasse allerdings den Antrag a) lesen, b) verstehen, c) auf den Inhalt Bezug nehmend bescheiden sowie d) korrekt, d.h. gesetzeskonform, reagieren. D.h. der Logik folgend, hätten sie mir mitteilen müssen, dass sie wegen des geltend gemachten beruflichen Bedarfs den Antrag an die Rentenanstalt weitergeleitet haben.

http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/...ix/15.html

mfg
urlaubsreif
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#4 28.04.2018, 09:39   ↑    ↓ 
Fibi Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Hallo urlaubsreif,

hast du bei der Kasse nachgefragt, ob sie den Antrag zur RV weiter geleitet haben? Vielleicht haben sie bei der Bescheidung des Vertragspreises nur vergessen, die Weiterleitung zu vermerken?!

Alternativ könntest du den berufsbedingten Mehrbedarf direkt bei der RV noch beantragen , allerdings zahlen die in letzter Zeit fast nie was dazu.

Solltest du die Versorgung in dieser Form aber nicht nur für berufliche Zwecke benötigen (wovon ich jetzt mal ausgehe 😉) steht es dir frei, gegen den Bescheid der KK in Widerspruch zu gehen und die volle Kostenübernahme zu erstreiten.

Viel Erfolg!

Fibi, die findet, dass viel zu wenige gegen die Vertragspreise protestieren. ..
Fibi und Sohn *02, rechts: an Taubheit grenzend schwerhörig, links: CI von Cochlear
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#5 28.04.2018, 12:12   ↑    ↓ 
muggel Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Hallo,
@nixverstahn: nach SGB muss der erstangegangene Kostenträger einen Antrag innerhalb von 2 Wochen an den zuständigen Rehabilitationsträger weiterleiten, wenn der erstangegangene Kostenträger der Meinung ist, nicht der richtige Kostenträger zu sein.
So steht es im Gesetz und ob dir das einleuchtet oder du die Frist als zu gering einschätzt spielt überhaupt keine Rolle. Wenn man etwas nicht weiss, dann sollte man fragen oder sich selbst auf die Suche machen!


@urlaubsreif: da die Kasse den Antrag nicht weitergeleitet hat, sieht sie sich selbst als Kostenträger.
Lege bitte Widerspruch gegen den Bescheid an, verweise darauf, dass du eben ein Hörgerät oberhalb des Festbetrages beantragt hast und der Antrag entsprechend zu entscheiden ist.
In dem Sinne kann man das Schreiben auch als Ablehnung verstehen.
Mache die TK darauf aufmerksam, dass sie eine Beratungspflicht haben. SIE müssen dir Geräte benennen, die innerhalb des Festbetrags liegen, aber vergleichbar gute Hörverstehwerte erreichen.

Wie genau hast du denn den Mehrbetrag begründet? Hast du argumentiert, dass du zB die Bluetoothfunktionalität benötigst, um auf der Arbeit besser telefonieren zu können?
Wichtig ist, dass du klar machst, dass das die einzigen Geräte waren, die du getestet hast und die so gute Verstehwerte erreichen. Alle anderen Geräte sind deutlich schlechter!

Hast du beim Akustiker etwas unterschrieben? Ein Schriftstück, dass du damit einverstanden bist, eine Zuzahlung zu leisten? Wenn ja.. ganz schlecht.

Grüße,
Miriam
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#6 28.04.2018, 12:57   ↑    ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
moin,
jep, stimmt:
Widerspruch ist meistens gut, weil:
unterhalb der Widerspruchsbescheidung ist sowieso fast alles "Schall und Rauch",weil:
es ist schlicht nicht justiziabel.
Folge:
Erstbescheide können - müssen aber nicht - von Fach- und Sachkunde, sowie von Sorgfalt geprägt sein.
Ich weiß Smiling
mit hG
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
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#7 28.04.2018, 13:09   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
@muggel

Oh je ... schon wieder die TK In love mit der hatte ich mich erst vor ein paar Jahren in der Wolle. Am Ende haben sie nach vier Jahren den Mehrpreis für das Oticon Agil bezahlt.

Ich habe diesen blöden Mehrkostenwisch dieses Mal unterzeichnet, aber das darf man inzwischen auch bedenkenlos tun, weil er schlicht Nötigung ist und andere Optionen nicht zur Auswahl stehen. Darauf können sie sich nicht zurückziehen, das hat meines Wissens vor Gericht keinen Bestand.

Nein, die berufliche Begründung bezog sich nicht auf technische Features sondern ausschließlich auf das Verstehen selbst nuscheliger Sprecher und die Ortung von Sprechern in stark nebengeräuschbelasteten Situationen. Bluetooth ist natürlich A und O, aber ich glaube, so etwas gilt noch als Komfortfunktion. Oder hat sich das geändert?

@Fibi

Ich glaube, das ist heikel, den die pauschalen Kosten übersteigenden Anteil extra bei der RV zu beantragen. Mein Bauchgefühl sagt gerade NEIN.
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#8 28.04.2018, 17:30   ↑    ↓ 
muggel Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Hallo urlaubsreif,

dann erst recht einen Widerspruch. Nur mi den OPN kannst du ausreichend gut hören und verstehen - sowohl beruflich als auch privat! (Oder ist privat etwa irrelevant?!?)
Die gesetzlichen Kassen haben eine Beratungspflicht. Sprich: sie müssen dir Geräte benennen können, ohne Zuzahlung, mit denen du genau so gut (messbar) verstehst wie mit den beantragten OPN.
Dieses würde ich auch klar verlangen (den entsprechenden Gerichtsbeschluss hierzu findest du auch hier irgendwo im Forum). Kurzum: du weist erneut auf deinen Antrag auf volle Kostenübernahme hin, sowie auf besagtes Urteil.
Dann muss die Kasse handeln. Tut sie dieses innerhalb von 2 Monaten nicht, so gilt das beantragte Hilfsmittel als genehmigt.
(Anmerkung: leider hat das BSG die 2 bzw 5 Wochenfrist für Hilfsmittel zum Behinderungsausgleich ausgehebelt...die 2 bzw 5 Wochenfrist gilt somit primär für Hilfsmittel zur Sicherung des Behandlungserfolges / Heilbehandlung)

Grüße,
Miriam
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#9 28.04.2018, 18:50   ↑    ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
moin,
damit jetzt nicht alles durcheinander geht:
1.
jep, mit der Beratungsrichtlinie in meinem Post #2 habe ich mich tatsächlich vertan, ich reiche hier die deutlich neuere Version nach:

https://www.schwerhoerigen-netz.de/...tlinie.pdf

2.
aber auch hier gibt es seit 2017 weitere Aktualisierungen (besonders bzgl. Fristen):

http://www.fr.de/...-a-1346038

mit hG
nixverstahn
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#10 28.04.2018, 19:27   ↑     
muggel Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Zitat von nixverstahn:


2.
aber auch hier gibt es seit 2017 weitere Aktualisierungen (besonders bzgl. Fristen):

http://www.fr.de/...-a-1346038

mit hG
nixverstahn

Die Frankfurter Rundschau ist ne Zeitung und kein Gericht. Das BSG hat diese 3 Wochen (bzw 5 Wochenfrist bei Einschalten des MdK) durch ein Urteil für Hilfsmittel zum Behinderungsausgleich "gekippt":
https://www.vdk.de/...mer_zahlen

Das Urteil ist nachzulesen unter
http://juris.bundessozialgericht.de/...&nr=15018

Und das mit der 2-Monatsfrist lässt sich im SGB 9, Para. 18 nachlesen - in der seit dem 1.1.18 gültigen Version.
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 28.04.2018, 19:34 von muggel. ↑  ↓

#11 28.04.2018, 20:01       ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
super, danke, wieder ´n Stück aktualisiert Smiling
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
↑  ↓

#12 30.04.2018, 11:14   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
*kleines update*

Nach Rücksprache mit dem HörBiz Berlin ist die Mitteilung der Krankenkasse als ablehnender Bescheid zu werten. Aufgrund fehlender Rechtsmittelbelehrung verlängert sich die Widerspruchsfrist auf ein Jahr (aber wer will schon so lange warten?).

Die KK hat es versäumt, den Antrag gem. §14 SGB IX binnen der 14 Tage Frist an den in ihren Augen zuständigen Leistungsträger weiterzuleiten - bei u.a. beruflicher Begründung wäre das die Rentenversicherung gewesen; damit ist sie im weiteren Verlauf des Verfahrens automatisch Antragsgegnerin und somit hat sie sich also auch für die Übernahme der Gesamtkosten zuständig erklärt. Deshalb eben auch kein weiterer Antrag an die Rentenversicherung!

Nun denn... Grinning

@muggel: herzlichen Dank für die Argumentationstipps, habe ich in den Widerspruch einfließen lassen. Messbar ist ja letztlich nur, was in der Akustikerkabine stattfindet. Jedoch ist das, was in der Akustikerkabine messbar ist, ohnehin von der akustischen Realität im RL so weit entfernt, wie Hogwarts von der nächstbesten Grundschule ;-)
↑  ↓

#13 30.04.2018, 11:22   ↑    ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
super @urlaubsreif,
gib zu gegebener Zeit mal Bescheid, inwieweit dein Widerspruch Erfolg in deinem Sinne hatte Smiling
mit hG
nixverstahn
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#14 30.04.2018, 15:34   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
@nixverstahn

Ich rechne nicht damit, dass ein Widerspruch von Erfolg gekrönt sein wird, die Sache wird wohl beim Sozialgericht landen. So eilig haben es die KKn dann leider doch nicht, ihre milliardenschweren Rücklagen aufzulösen Wink

Aber ich halte euch gern auf dem Laufenden.

LG
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#15 30.04.2018, 16:41   ↑    ↓ 
svenyeng Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Hallo!

Also das find ich grade recht interessant.
Wieso soll die KK, wenn sie was ablehnt das weitesenden an die RV?
Dafür ist doch jeder selber zuständig.
Wir sind doch Erwachsene Menschen und keine kleinen Kinder.
DIe RV zahlt auch nicht die kompletten Kosten, sondern wenn dann einen Zuschuss.
Ich hatte für meine Resound Linx 3D einen entsprechenden Antrag na die RV gestellt, der sofort bewilligt wurde. Ich erhielt einen Zuschuss für die HGs und für Zubehör.

Ich fände es nicht rechtens, wenn bei manchen Leuten teuere HGs voll übernommen werden. Dann kann die KK bzw. RV direkt hingehen und alle Geräte zuzahlungsfrei machen, denn ich kann auch nur mit den teuren Geräten richtig hören.
Sollte in der Hinsicht ein Gericht die KK verdonnern die Kosten voll zu übernehmen hieße das im Klartext das alle Geräte, egal wie teuere, immer von der KK voll bezahlt werden. Wenn der Hörtest beim Akustiker als Beweis das man nur mit den teueren Geräten gut hören kann. Und das wird der Test immer und bei jedem aussagen.

Gruß
sven
↑  ↓

#16 30.04.2018, 17:53   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
@sven

"Wieso soll die KK, wenn sie was ablehnt das weitesenden an die RV?"

Derjenige Leistungsträger, der zuerst angegangen wird, hat zu entscheiden, ob er für die Leistung zuständig ist oder nicht. Wenn er der Meinung ist, dass er gar nicht oder nur teilweise leisten muss, dann hat er binnen 14 Tagen den Antrag an den (außerdem) zuständigen Leistungsträger weiterzuleiten, der dann auch Antragsgegner ist und das weitere Verfahren koordinierend in der Hand behält. Wie das jetzt im Einzelnen untereinander mit welchen Anteilen verrechnet wird, ist nicht Sorge des Antragstellers.

So will es das Gesetz.
Damit soll der Praxis Verschiebebahnhof ein Riegel vorgeschoben und die Bewilligung von Hilfsmitteln beschleunigt werden.

"Ich fände es nicht rechtens, wenn bei manchen Leuten teuere HGs voll übernommen werden. "

Wieso denn das? Zumal du selbst nur mit den besseren Geräten richtig gut hörst, wie du schreibst.

Nicht jeder profitiert von den Möglichkeiten der teuren Geräte, das ist abhängig von den individuellen Hörverlusten. Aber wenn man profitiert, dann MUSS das bessere Gerät her. Was denn sonst? Das ist dein gutes Recht. Was die Krankenkassen betreiben hingegen ist zynisch und sogar illegal.

"Sollte in der Hinsicht ein Gericht die KK verdonnern die Kosten voll zu übernehmen ..."

Soweit lassen es die Krankenkassen nicht kommen, weil sie vorher schon einlenken. Leider. Man will schließlich keine Präzedenzfälle schaffen.

"Wenn der Hörtest beim Akustiker als Beweis das man nur mit den teueren Geräten gut hören kann. Und das wird der Test immer und bei jedem aussagen."

Ganz gewiss wird der Test beim Akustiker das nicht aussagen. Denn das hieße für den Akustiker, dank der Knebelverträge, welche die Innung mit den KKn geschlossen hat, dass er das hochpreisige Gerät zum Kassenpreis abgeben muss.


Thema Hochpreisig

Das ist ein hausgemachtes Problem der Versorgung in Deutschland. Es gibt schlicht keinen freien Markt. Im Ausland gibt es die OPN1 beispielsweise bereits für die Hälfte des Geldes. Das kann aber nun wirklich nicht den Patienten, die zwingend auf eine optimale Versorgung angewiesen sind, angelastet werden.

Die Krankenkassen müssten nur die Anpassungs- und Wartungsleistungen realistisch vergüten und von den Gerätepreisen abkoppeln. Dann müssen Akustiker auch keine Mischkalkulation mehr fahren und der Kunde könnte sich die Geräte zur Not auch im Ausland besorgen.
↑  ↓

#17 01.05.2018, 09:48   ↑    ↓ 
svenyeng Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Hallo!

Zitat:
Ganz gewiss wird der Test beim Akustiker das nicht aussagen. Denn das hieße für den Akustiker, dank der Knebelverträge, welche die Innung mit den KKn geschlossen hat, dass er das hochpreisige Gerät zum Kassenpreis abgeben muss.

Eben nicht.
Wenn die KK ein hochpreisiges Gerät bewilligt muss sie auch den hohen Preis zahlen. Ein Akustiker wird nie ein hochpreisiges Gerät zuzahlungsfrei abgeben wenn er nur den normalen Kassensatz erhält. Das ist ganz logisch.
Müsste er das wirklich, kann er seine Tage zählen. Niemand kann Dir Ware unterm EK verkaufen.

Ein Hörtest ist ein Stück Papier und Papier ist geduldig.
Als erstes bekommen besten Freunde des Akustikers den Hörtest so wie er benötigt wird damit die KK alles übernimmt.
Wenn dann müsste die KK. vereidigte Gutachter für solche Tests einsetzen.
Aber selbst der HG Träger kann diese Tests ja schon von sich aus faken.
Beim Test mit dem günstigen Gerät versteht man alles schlecht. ist halt so.
Beim teuren Gerät hui, perfekt.

Natürlich wäre es schön wenn die KK sehr viel mehr Zuschuss zahlt.
Aber sowas muss gesetzlich geregelt werden und für alle HG Träger gelten.
Das wäre der faire und richtige Weg.

Zitat:
Die Krankenkassen müssten nur die Anpassungs- und Wartungsleistungen realistisch vergüten und von den Gerätepreisen abkoppeln. Dann müssen Akustiker auch keine Mischkalkulation mehr fahren und der Kunde könnte sich die Geräte zur Not auch im Ausland besorgen.

Das ist nicht zu Ende gedacht.
Als Akustiker würde ich ggf. nicht mal fremd vom Kunden erworbene Geräte anpassen und warten. Denn dann steht man ja für Reparaturen grade. Was ist im Garantiefall?
Nichts verdient an den Geräten, aber der Kunde verlangt dann noch Leihgeräte.
Nee danke, ich zahle lieber etwas mehr für die HGs und bekomme einen perfekten Rundrum Service vom Akustiker. Und im Garantiefall muss ich mich um nichts kümmern und bekomme sofort Leihgeräte völlig kostenlos mit.
Du hast Dir dann billig Geräte im Ausland besorgt, darfst Dich dort mit den dort gültigen Garantiebestimmungen und Gesetzen und dem Händler dort auseinander setzen.
Zusätzlich kriegst Du noch ne fette Servicerechnung vom deutschen Akustiker.
Perfekt! Am Ende legst Du vermutlich noch richtig drauf. Aber klar, Geiz ist halt Geil!

Und bevor Du die HGs im Ausland kaufst, testest Du beim Akustiker zig Geräte kostenlos,
bis Du das für Dich am besten geeignete Gerät gefunden hast.
Dann kaufst Du dieses Gerät und verlangst auch noch das der Akustiker dann die Anpassung macht? Er kann es machen, aber die Rechnung wird sehr hochpreisig.
Ich würde da richtig fetten Stundensatz abrechnen.

Bitte bedenke das HGs nichts sind was man einfach so kauft.
Da gehört Beratung etc. dazu. Auch das ist Zeit was sich die Akustiker ans Bein binden.
Im Endeffekt wird es dem Akustiker aber über den Verlauf vergütet.

Gutes Beispiel dazu sind Autoreifen. Vor einiger Zeit fragte ich bei meinem Reifenhändler Preise für Reifen an. Weiterhin fragte ich nach, ob er mir auch Reifen aufzieht, die ich selber mitbringen, da ich im Internet sehr viel bessere Preise bekomme.
Er sagte mir kein Problem, aber das kostet entsprechend mehr Geld als bei Reifen die bei ihm gekauft werden. Ich war verwundert und fragte warum. Nun, er müsse dafür grade stehen, wenn ein Reifen beim aufziehen kaputt geht. Genauso ist des bei HGs.
Weiteres Beispiel: Gitarre beim Musikhändler vor Ort gekauft. Ich brachte sie nach 10 Jahren zum einstellen etc. zu ihm. Bei Abholung fragte ich was ich denn schuldig bin.
Antwort: Das ist für Dich kostenloser Service. Du bist ein guter und jahrelanger treuer Kunde.
Ich hätte das nie verlangt.
Im Internet hätte ich die Gitarre gar nicht mal so viel günstiger bekommen, aber fürs einstellen hätte dann ein Händler vor Ort schön nach fettem Stundensatz abgerechnet. Prima, so spart man Geld, weil Geiz ja geil ist!
Es gibt durchaus Leute die lassen sich beim Händler vor Ort stundenlang beraten, kaufen im Internet und sind dann noch so dreist und wollen kostenlos Hilfe dazu beim Händler vor Ort.
Wenn dieser dann seinen Stundensatz nennt, weil er ja nichts verkauft hat, dann werden diese Leute auch noch stinksauer.

Gruß
sven
↑  ↓

#18 01.05.2018, 09:58   ↑    ↓ 
nixverstahn Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
moin,
die für alle Beteiligten transparenteste Lösung wäre:
"Hörgeräteversorgung komplett raus aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen".
Für Niedrigeinkommen gilt analog das, was jetzt schon für Zahnersatz gilt.
Ende Gelände und endlich "Ruhe im Karton" Smiling
imho.

mit hG
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
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#19 01.05.2018, 11:16   ↑    ↓ 
urlaubsreif Abwesend
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Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Zitat:
Eben nicht.
Wenn die KK ein hochpreisiges Gerät bewilligt muss sie auch den hohen Preis zahlen. Ein Akustiker wird nie ein hochpreisiges Gerät zuzahlungsfrei abgeben wenn er nur den normalen Kassensatz erhält. Das ist ganz logisch.

Richtig. Nur ... so weit kommt es ja erst einmal gar nicht, dass die KK ein hochpreisiges Gerät bewilligt, obwohl es indiziert wäre, um den gesetzlichen Anspruch auf eine Versorgung zu gewährleisten, die dem aktuellen Stand des medizinisch technischen Fortschritts entspricht und einen bestmöglichen Behinderungsausgleich sicherstellt. Bzw. erst nach langer sozialgerichtlicher Auseinandersetzung. Wo genau liegt jetzt deine Verständnishürde? Kann es an einem Mangel an zutreffender Information liegen?

Zitat:
Als erstes bekommen besten Freunde des Akustikers den Hörtest so wie er benötigt wird damit die KK alles übernimmt.

Ja, und der Mond ist aus Käse und wird von der Mäusemafia regiert.
Deine Verschwörungstheorien in allen Ehren .... aber damit muss sich wohl niemand ernstlich befassen, der keinen Bock darauf hat, mit Luftschlössern seine Zeit zu verschenden.

Wüsstest du um die neuen Verträge der Akustikerinnung mit den Krankenkassen, würdest du die Dinge vermutlich anders beurteilen.

Wenn ein Hörtest belegt, dass das höherwertige Gerät in der Kabine einen besseren Hörerfolg bringt, als das Kassengerät, dann MUSS der Akustiker das höherwertige Gerät zu den Kassenpauschalen abgeben. Dazu verpflichtet ihn der Vertrag, in dem die Kasse schlicht festgeschrieben hat, dass es aufzahlungsfreie Geräte gibt, welche technisch und qualitätsmäßig mit den Flaggschiffen der Hersteller gleichziehen, die der Akustiker dann dem Kunden wohl nicht angeboten hat. Was in den meisten Fällen ganz offenkundiger Quatsch ist.

Aus diesem Grund wird ein Akustiker sich hüten, das höherwertige Gerät im Test besser abschneiden zu lassen. Ist doch logisch. Manche Akustiker verweigern bereits die Versorgung, wenn der Kunde durchblicken lässt, dass er im Notfall für eine optimale Versorgung vor Gericht ziehen wird. Den Stress mit der Kasse tun sich nur noch die ganz wagemutigen an.


Zitat:
Natürlich wäre es schön wenn die KK sehr viel mehr Zuschuss zahlt.

Na, wenigstens an diesem Punkt sind wir uns einig.
Noch schöner wäre allerdings, wenn die Leistungsträger einfach grundsätzlich dem gesetzlichen Wortlaut folgen würden. Anstatt Einzelfallentscheidungen zu treffen, weil sie vor Gericht unterliegen würden.

Zitat:
Aber sowas muss gesetzlich geregelt werden und für alle HG Träger gelten.

Diese gesetzlichen Regelungen bestehen bereits und gelten für alle.
Es ist nur leider so, dass man i.d.R. sein Recht auf gerichtlichem Wege durchsetzen muss, weil die Leistungsträger sich dieser Rechtslage widersetzen.

Fair wäre, wenn die Krankenkassen den halbilllegalen Heckmeck mit den Patienten endlich einmal sein lassen würden anstatt Milliarden anzuhäufen. Fair wäre außerdem, das ein für allemal vor dem BSG regeln zu lassen. Stattdessen treffen sie Einzelfallentscheidungen, damit es kein Urteil gibt, auf das andere sich berufen könnten. So sieht's aus.


Zitat:
Das ist nicht zu Ende gedacht.
Als Akustiker würde ich ggf. nicht mal fremd vom Kunden erworbene Geräte anpassen und warten. Denn dann steht man ja für Reparaturen grade. Was ist im Garantiefall?

Es wäre schön, wenn du einfach versuchen würdest, ein Argument auch in seiner Ganzheit zu verstehen, anstatt einfach nur auf einen Teilaspekt davon loszugehen.

Ich sagte doch: erst wenn die Anpassungs- und Wartungskosten entkoppelt werden von den Gerätepreisen, kann sich ein realistischer Markt für die Geräte - und auch für Gebrauchtgeräte - entwickeln. Da kann es dem Akustiker fast egal sein, ob er sein Geld mit Anpassungen verdient oder mit dem Verkauf von Geräten.

Zur Zeit ist es so, dass die Akustiker das Geld, das sie mit Kassengeräten, Anpassung- und Wartung NICHT verdienen, bei den höherwertigen Geräten wieder reinholen; sie schlagen es da einfach drauf.

Zitat:
Aber klar, Geiz ist halt Geil!

Ich muss doch sehr bitten. Bevor du hier groß rumtrötest und zynisch wirst, versuche doch es zuallererst mit mehr Respekt und Höflichkeit, und anschließend vielleicht zuerst einmal damit, dein Wissen auf einen aktuellen Stand zu bringen und auf dieser Basis zu verstehen, was man dir sagt.

Zitat:
Bitte bedenke das HGs nichts sind was man einfach so kauft.
Da gehört Beratung etc. dazu. Auch das ist Zeit was sich die Akustiker ans Bein binden.
Im Endeffekt wird es dem Akustiker aber über den Verlauf vergütet.

Eben. Und das muss aufhören. Wie oft denn nun noch? Du möchtest doch nicht ernsthaft behaupten wollen, dass selbst die Anpassung von Kassengeräten auch nur ansatzweise realistisch vergütet wird.
↑  ↓

#20 01.05.2018, 11:20   ↑     
urlaubsreif Abwesend
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Dabei seit: 12.03.2010
Beiträge: 47


Betreff: Re: Krankenkasse schickt keinen rechtsmittelfähigen Bescheid
Zitat von nixverstahn:
moin,
die für alle Beteiligten transparenteste Lösung wäre:
"Hörgeräteversorgung komplett raus aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen".
Für Niedrigeinkommen gilt analog das, was jetzt schon für Zahnersatz gilt.
Ende Gelände und endlich "Ruhe im Karton" Smiling
imho.

mit hG
nixverstahn

Bist du ein Troll?

Die für alle Beteiligten transparenteste Lösung wäre, dass sich die Leistungsträger an die Gesetzeslage halten, anstatt ihr persönliches Süppchen zu kochen. Dann wäre auch Ruhe im Karton.

So aber fallen all jene hinten runter, die nicht den Nerv haben auf eine lange gerichtliche Auseinandersetzung.
↑  ↓

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