#1 12.05.2018, 09:14
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Hörsystemkonfiguration
moin,
ist es tatsächlich nicht möglich, ein Hörsystem "freihändig" zu konfigurieren?
hier geht es konkret um das Hörsystem AudioService Mood 6G4 mit der Anpass-Software Connexx, bei dem ich gerne eines der vier Programmplätze wie folgt konfiguriert hätte:
1. Mikrofone fix omnidirektional,
2. MPO durchgängig 110 dB bei (UCL 120)
3. alle 8 Frequenzsteller einzeln per Hand justieren
4. alle Kompressionen so gering wie nur möglich
5. alle Automatiken aus (nur Rückkopplungsunterdrückung so gering wie möglich)
Ziel:
Vollausschöpfung der gerätetypischen Frequenzbandbreite und individuellen Dynamik.
der Akustiker sagt:
"das geht so nicht", mag es nicht weiter begründen und führt es nicht aus. Ende.
Frage deshalb:
stimmt die Aussage meines Akustikers, oder stimmt die von (seinerzeit) Ohrenklempner:
"geht nicht", das meint meist: "ich weiß nicht wie´s geht" u./o. "ich will nicht" Smiling
Danke für Input
mit hG
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
↑  ↓

#2 12.05.2018, 09:36
BenB Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 24.01.2018
Beiträge: 270


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Das pauschale "Geht-so-nicht" würde ich auch nicht akzeptieren. Das ist kundenunfreundlich und hat ein Geschmäckle à la "Haben wir nicht, kennen wir nicht und kriegen wir auch nicht mehr rein".

Andererseits: Wenn Du die Anpass-Software schon hast - was spricht dagegen, die Parameter selbst zu ändern?

Probier's doch einfach aus.

VG BenB
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 09:39 von BenB. ↑  ↓

#3 12.05.2018, 09:44
Musiker_72 Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2014
Beiträge: 622


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Ich verwende Connex nicht, daher weiß ich es nicht für dieses Gerät.

Bei meinem HG ginge es in 3 Minuten. Wenn es aber ein guter Akustiker ist, heißt "geht nicht" in diesem Fall: Das ist eine extrem gefährliche Einstellung (hohe MPO, keine Kompression), mit der man sich - selbst in leiser Umgebung - ganz flott ein Knalltrauma oder Schlimmeres einhandeln kann.

Deswegen hätte ich als Akustiker auch keine Lust, das einem Kunden zu erklären, der mit so einem Vorschlag kommt, weil der Vorschlag selbst schon zeigt, dass der Kunde keine Ahnung hat. Ich würde aber vermutlich sagen: Das wäre möglich, aber gefährlich für Ihre Ohren, deswegen mache ich es nicht.
↑  ↓

#4 12.05.2018, 10:01
BenB Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 24.01.2018
Beiträge: 270


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Hallo Musiker,

dieser Akustiker unterfiele dann aber einem logischen Kurzschluss.

Nur als Randbemerkung, sorry - und seien wir froh, dass wir keine Akustiker sind.

BenB
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 10:05 von BenB. ↑  ↓

#5 12.05.2018, 10:30
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
moin,
nein, ich selbst habe die Software nicht.
Ich habe nur gesehen, welche verwendet wurde.
und was den MPO-Wert anbelangt:
DER wurde aus dem UCL des Tonaudiogrammes abgeleitet und in der Standardzielkurvenberechnung für das Universalprogramm auch mit durchgängig über 100 dB berücksichtigt,
und: von "keine Kompressionen" war gar nicht die Rede Smiling
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 10:32 von nixverstahn. ↑  ↓

#6 12.05.2018, 10:56
Jonny Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 19.03.2017
Beiträge: 100


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Hallo,

natürlich muss dein Vorhaben möglich sein! Genau dafür ist eine ANPASSsoftware ja da! Ich habe auch schon gemerkt, dass Akustiker nicht gerne in verschiedenen Programmen verschiedenen Hörkurven programmieren. Vielleicht weil sie dann Bedenken haben den Überblick zu verlieren?!
_Hz 125 250 500 1000 2000 3000 4000 6000 8000 ------------ Hg seit 1991 _ Opn1 seit Juni 2017
dbR 45__65_75__85__80___75__75___70__70
dbL 45__60_70__75__75___70__65___60__60
↑  ↓

#7 12.05.2018, 11:53
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.540


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Zitat von Musiker_72:
Bei meinem HG ginge es in 3 Minuten. Wenn es aber ein guter Akustiker ist, heißt "geht nicht" in diesem Fall: Das ist eine extrem gefährliche Einstellung (hohe MPO, keine Kompression), mit der man sich - selbst in leiser Umgebung - ganz flott ein Knalltrauma oder Schlimmeres einhandeln kann.

Deswegen hätte ich als Akustiker auch keine Lust, das einem Kunden zu erklären, der mit so einem Vorschlag kommt, weil der Vorschlag selbst schon zeigt, dass der Kunde keine Ahnung hat. Ich würde aber vermutlich sagen: Das wäre möglich, aber gefährlich für Ihre Ohren, deswegen mache ich es nicht.

Nur kurz meine Sichtweise hierzu: wollte man die Erzeugung weiterer Hörschädigungen durch Hörgeräte möglichst ausschliessen, müsste man sie so einstellen, dass eine Ueberschreitung des 24-Stunden Mittelungspegels von 70 dB (A) nicht statt finden kann (aktuell geht man davon aus, dass eine Ueberschreitung dieses Werts zu Hörschädigungen führen kann).
Kein Akustiker macht dies - weil er es auch nicht könnte, selbst, wenn er wollte.

Das Argument, dass die Gefahr einer Hörschädigung drohe, wenn der Kunde das Gerät selbst einstelle, kann ich aus diesem Grunde so nicht nachvollziehen.

Ausserdem erhöht eine starke Kompression (bei gleicher Verstärkung und Begrenzung - möglicherwesie war dies jedoch nicht so gemeint) die Schallenergie.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 11:55 von fast-foot. ↑  ↓

#8 12.05.2018, 11:59
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
kurz nachgefragt:
wenn das Standardprogramm einen MPO (maximaler Schalldruck) von 110 dB berücksichtigt,
was ist dann bei einer "freihändigen" Konfiguration unter Berücksichtigung von MPO 110 dB gefährlicher? Smiling
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 12:00 von nixverstahn. ↑  ↓

#9 12.05.2018, 12:07
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.540


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Spontan würde ich sagen:

wenn man die Verstärkung (und damit die Kompression) erhöht. Auch, wenn man eine allfällig vorhandene Impusschallunterdrückung deaktiviert.
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
↑  ↓

#10 12.05.2018, 14:29
Hörer2018
Gast


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Ich übertreibe mal:
Als Mitglied einer Bergseilschaft kann ich natürlich selbst so weit experimentieren, bis ich mir einen Galgen gebaut hab und mich damit...
↑  ↓

#11 12.05.2018, 17:05
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
hab ich da was falsch verstanden?
bedeutet MPO 110 dB etwas anderes als:
"das Hörsystem liefert unter keinen Umständen einen höheren Schalldruck als 110 dB? Smiling
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
↑  ↓

#12 12.05.2018, 18:27
Musiker_72 Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2014
Beiträge: 622


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
MPO 110 dB finde ich sehr hoch, bei mir ist die MPO, je nach Programm, zwischen 90 und 98 dB.

Wenn ich mich recht erinnere, höre ich vom Tonaudiogramm her etwas schlechter als Nixverstahn.

Es macht doch keinen Sinn, 110 dB aus dem Hörgerät rauszublasen, wenn die Hörschwelle ohnehin bei 50 oder 60 dB liegt!

Zur Kompression: Kompression so gering wie möglich heißt für mich "keine Kompression", denn das ist möglich.

Eine hohe MPO ist in Zusammenhang mit einer niedrigen Kompression viel gefährlicher, weil dann die Werte in der Nähe der MPO viel häufiger und schneller erreicht werden!

Wenn ich z.B. die Kompression am zweiten Kniepunkt auf unendlich stelle, dann ist die MPO egal, weil der Wert ohnehin nie erreicht wird (das nur als Extrembeispiel).

@fast-foot : Hohe Kompression bei gleicher Verstärkung geht nicht. Die Kompression legt ja fest, wie stark sich das Ausgangssignal bei Änderung des Eingangssignals ändert. Daher kann (wenn man mal vereinfacht von einer Kompression mit nur einem Kniepunkt ausgeht) bei unterschiedlicher Kompression die Verstärkung nur für eine einzige Eingangslautstärke gleich sein.

Zwei Hörprogramme, die gleiche Verstärkung bei 65 dB Eingang liefern, wobei Programm 1 hohe Kompression und Programm 2 niedrige Kompression verwendet würden außer bei 65 dB immer unterschiedliche Verstärkungen liefern.
Unter 65 dB hätte Programm 1 die höhere Verstärkung.
Über 65 dB hätte Programm 2 die höhere Verstärkung.

Daher halte ich es in der Tat für gefährlich, wenn Laien an Verstärkung, MPO und Kompression rumdrehen. Wenn man diese Dinge verstanden hat, ist es natürlich recht hilfreich, genau das zu tun.
↑  ↓

#13 12.05.2018, 19:05
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
kurz klar gestellt:
dem TE geht es nicht darum, dass "Laie" etwas "rumdreht", sondern um die konkrete Ansage des MPO, welcher auch in der modifizierten first-fit-Standardkonfiguration Verwendung findet.
Und: "Kompression so gering wie möglich" hebt darauf ab, dass "so natürlich wie möglich" beibehalten werden soll.
nachgefragt:
ist denn der MPO der Schalldruck, welcher nie überschritten wird?
und:
im Lichte dieser Erkenntnis:
was ist nun mit der Möglichkeit - oder Unmöglichkeit - mit (z.B.) der Anpasssoftware Connexx die Hörsysteme unabhängig von Anpassformeln zu konfigurieren?
Danke für Input
ohne hG
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 19:12 von nixverstahn. ↑  ↓

#14 12.05.2018, 21:25
Musiker_72 Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2014
Beiträge: 622


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Ja, MPO= maximum Power Output

Andere Frage: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit "ja" (ich kenne die Software nicht, aber mit allen, die ich kenne, geht das).

Und: Kompression "so natürlich wie möglich" ist ganz was anderes als "so wenig wie möglich" und ist genau das, was die Anpassformeln versuchen, umzusetzen.

Aber, um der sachlichen Richtigkeit willen, nochmal deutlich: Mit jeder Anpasssoftware, die ich kenne, kann man für drei Eingangslautstärken für jede Frequenz unabhängig voneinander die Verstärkung einstellen (die Kompression ergibt sich dann daraus), Du hast also z.B. bei 8 Frequenzbändern (ich weiß nicht, wie viele Dein HG hat) 8*2*3 = 48 Stellen, an denen Du ca. 20 verschiedene Werte einstellen kannst.

Du hast also 20 hoch 48 = 28147497671065600000000000000000000000000000000000
0000000000000 Möglichkeiten, Dein HG einstellen zu lassen.
↑  ↓

#15 12.05.2018, 22:28
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
danke Musiker_72 für deine Mühe.
ich interpretiere daraus - um bei meinem Anfangspost zu bleiben:
1.
mehr als 110 dB passiert also in meinem Beispiel nie und liegt damit immer fast 10% unterhalb meiner individuellen Unbehaglichkeitsschwelle.
2.
die bei meinem Hörsystem möglichen 8 einstellbaren Kanäle lassen sich "freihändig" einstellen
(Verstärkung wohl sinnvoller Weise stets unterhalb des Hörverlustes in dem jeweiligen Kanal)
3.
würde hierbei jetzt nicht bzgl. der 3 Eingangsschalldrücken unterschieden, würden nur Eingangsschalldrücke ab 80 dB bei Hörschwelle oberhalb 30 dB unverstärkt bleiben - richtig?
4.
die bisherigen Auskünfte zum Sinn von Anpassformeln waren übrigens stets eine Ambivalenz zwischen Spontanakzeptanz und Sprachverständlichkeit. "Natürlichkeit" oder "Frequenzbandbreitenausschöpfung" habe ich als Formelziel noch nie gehört.
5.
damit sind wir wieder bei meiner Kernfrage, deine Antwort darauf ich jetzt so "verwurste":
a) ja, man kann das machen.
b) wenn man zwischen den drei jeweiligen Eingangsgrößen je Kanal nicht unterscheidet, dann passiert bei hohen Eingangspegeln wegen der MPO-Begrenzung konkret WAS?
c) die sinnvolle Verstärkung bewegt sich sicherlich nicht in Bereiche oberhalb des Hörverlustes.
d) das ganze ist in wenigen Minuten für einen erfahrenen Akustiker anhand der Tonaudiogrammdaten machbar.
e) fragwürdig bleibt, warum damit das Ziel: "maximale Hörfläche weitestgehend unverfälscht wahrnehmen" nicht erreicht werden könnte.
oder - andersherum gefragt:
WARUM wären denn Kompressionen sinnvoll, um das Maximum dessen, was das Hörsystem an Frequenzbandbreite bietet, im Rahmen dessen was mein Gehör an Dynamik erlaubt, herauszuholen?
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 12.05.2018, 22:33 von nixverstahn. ↑  ↓

#16 13.05.2018, 01:35
akopti Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 17.08.2016
Beiträge: 629


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Hallo

suche dir einen Akustiker der mit Audiosus anpasst. Dies ist eine Anpassung unter Berücksichtigung der Isophonen gleicher Lautstärke und somit das individuelle Hörfeld berücksichtigt.
Beim Ablauf der Anpassung wird die MPO erst einmal auf max. gestellt Zudem wird die Kompressionfaktor für LE80 auf 1,0 (also linear) für alle Kanäle eingestellt. Während der Einstellung werden alle Automatiken (soweit es die Hörsysteme/Software es zulassen) abgeschaltet und erst am Ende wieder aktiviert.

Die Erfahrungen meiner Kunden war so, dass sie zum ersten mal Musik in einer Brillianz erfahren haben und in 80dB Partynoise erstaunlich gut verstanden haben.

Sicher ist das Erlebnis für den Kunden bei einem Hörsystem mit 12 und mehr Frequnzkanälen noch etwas besser. Ich war aber erstaunt, das auch bei Systemen mit 4 oder 6 Frequenzkanälen die Ergebnisse überraschend gut waren.

Bei dem einen oderen anderen Kunden musste man den Klang noch etwas nachbearbeiten. Auch war das nachbessern bei der MPO oder Kompression individuell notwendig.

Gruß

Dirk
↑  ↓

#17 13.05.2018, 06:40
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.540


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Zitat von fast-foot:
Ausserdem erhöht eine starke Kompression (bei gleicher Verstärkung und Begrenzung - möglicherwesie war dies jedoch nicht so gemeint) die Schallenergie.

Hier ist mir ein Fehler unterlaufen. Richtig wäre, dass sich die Schallenergie erhöht, wenn man bei gleicher Begrenzung die Verstärkung erhöht, was die (bei den höchsten Schalldrücken) Kompression verringert.


Zitat von nixverstahn:
Und: "Kompression so gering wie möglich" hebt darauf ab, dass "so natürlich wie möglich" beibehalten werden soll.

Schwierig zu sagen, da ja das geschädigte Gehör akustische Reize eh anders verarbeitet als das normale.
Ein Punkt ist jedenfalls, dass bei geringerer Kompression zeitliche Informationen besser genutzt werden können, was (bei einer geringen, duirch die Hörschädigung bedingten Frequenzauflösung) hilfreich sein kann.


Und noch zu folgenden Aussagen meine Sichtweise:

Zitat von Musiker_72:
Es macht doch keinen Sinn, 110 dB aus dem Hörgerät rauszublasen, wenn die Hörschwelle ohnehin bei 50 oder 60 dB liegt!

Wenn die Unbehaglichkeitsschwellen so hoch liegen, wird dort begrenzt. Ich persönlich würde allerdings generell Hörgeräte (und einen entsprechenden Umgang damit) befürworten, welche (bei möglichst hohem Nutzen auch auf lange Sicht) eine möglichst geringe Belastung für das Gehör bedeuten.


Zitat von Musiker_72:
@fast-foot : Hohe Kompression bei gleicher Verstärkung geht nicht. Die Kompression legt ja fest, wie stark sich das Ausgangssignal bei Änderung des Eingangssignals ändert. Daher kann (wenn man mal vereinfacht von einer Kompression mit nur einem Kniepunkt ausgeht) bei unterschiedlicher Kompression die Verstärkung nur für eine einzige Eingangslautstärke gleich sein.

So, wie ich das sehe, gilt der Verstärkungswert für die Schalldruckpegel, bei welchen die Kompression noch nicht arbeitet (also unterhalb des/r Kniepunkt/e).
Effektiv verringert sich dann bei höheren Eingangspegeln die Verstärkung. Umgekehrt erhöht die Einstellung einer höheren Verstärkung bei gleicher Begrenzung die Kompression bei den höchsten Eingangspegeln, was letztlich die Schallenergie erhöht.


Zitat von Musiker_72:
Daher halte ich es in der Tat für gefährlich, wenn Laien an Verstärkung, MPO und Kompression rumdrehen. Wenn man diese Dinge verstanden hat, ist es natürlich recht hilfreich, genau das zu tun.

Ich halte Hörgeräte generell für gefährlich, wenn sie nicht so eingestellt sind, dass der 24-Stunden-Mittelungspegel von 70 dB nicht überschritten wird (das dürfte nie der Fall sein) - hier spielt es keine Rolle, ob die Einstellung durch einen Akustiker oder durch einen Laien vorgenommen wird - es sei denn, es sei erwiesen, dass der Akustiker in jedem (oder in der grossen Mehrheit der Fälle) eine Einstellung zu Stande bringe, welche gleich gut akzeptiert und gleichzeitig weniger gehörsgefährdend ist, wobei letzteres für die Einstellung (auch für den Fachmann) kein Kriterium ist und ersteres auch nicht erwiesen ist.
Ausserdem werden Hörgeräte grundsätzlich so eingestellt, wie es der Laie wünscht (die Einstellung sollte ein möglichst gutes Sprachverstehen (auch im Störschall) ermöglichen und durch ihn akzeptiert werden (hierzu wird bspw. die Begrenzung dort fest gelegt, wo die Unbehaglichkeitsschwelle liegt).


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 13.05.2018, 07:16 von fast-foot. ↑  ↓

#18 13.05.2018, 07:40
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.540


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Ergänung (ich gehe davon aus, dsss nixverstahn nichts gegen eine mehrmalige Anwendung der Zitierfunktion ein zu wenden hat - es geht lediglich darum, klar zu machen, auf welche seiner Aussagen ich mich in meiner Antwort genau beziehe):

Zitat von nixverstahn:
1.
mehr als 110 dB passiert also in meinem Beispiel nie und liegt damit immer fast 10% unterhalb meiner individuellen Unbehaglichkeitsschwelle.

Bei in-Situ-Anpassung, ansonsten ist dies nicht gewährleistet. Allerdings ist ja bei einer Anpassung die Akzeptanz durch den Kunden das entscheidende Kriterium. Wenn die Begrenzung effektiv bei 125 dB liegt, spielt es etwas salopp ausgedrückt erst dann eine Rolle, wenn es knallt (das Problem besteht allerdings auch bei Akustikern, welche nicht mittels in-Situ-Anpassung einstellen).


Zitat von nixverstahn:
2.
die bei meinem Hörsystem möglichen 8 einstellbaren Kanäle lassen sich "freihändig" einstellen
(Verstärkung wohl sinnvoller Weise stets unterhalb des Hörverlustes in dem jeweiligen Kanal)

Ich würde als Ausgangspunkt die Verstärkung auf etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Hörverlusts setzen. Ob sie in jedem Falle unter dem Hörverlust liegen soll, weiss ich nicht.


Zitat von nixverstahn:
4.
die bisherigen Auskünfte zum Sinn von Anpassformeln waren übrigens stets eine Ambivalenz zwischen Spontanakzeptanz und Sprachverständlichkeit. "Natürlichkeit" oder "Frequenzbandbreitenausschöpfung" habe ich als Formelziel noch nie gehört.

Wäre mir jetzt neu.


Zitat von nixverstahn:
WARUM wären denn Kompressionen sinnvoll, um das Maximum dessen, was das Hörsystem an Frequenzbandbreite bietet, im Rahmen dessen was mein Gehör an Dynamik erlaubt, herauszuholen?

Beim (nicht nur geschädigten und versorgten - dort jedoch besonders) Gehör gibt es zwei Probleme:

1. Ein Geräusch liegt unter der Hörschwelle

2. Es ist zu laut.

Wenn für Geräusche, welche wichtige Informationen enthalten, Punkt 1 und/oder 2 zutreffen, ist Kompression erforderlich, damit sie

1. gehört werden und 2. nicht unangenehme Empfindungn auslösen können.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 13.05.2018, 07:42 von fast-foot. ↑  ↓

#19 13.05.2018, 10:21
nixverstahn Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.04.2018
Beiträge: 342


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Guten Morgen,

herzlichen Dank an akopti und fast-foot für eure Antworten.

lieber Dirk,
dir möchte ich eingestehen, dass ich dich kürzlich für deine Info bzgl. der isophonenbasierten Anpassung in einem anderen Thread heftig kritisierte, weil ich in dem damaligen Kontext die nützliche Hintergrundinformation nicht begriffen hatte. Ich bitte nachträglich um Entschuldigung.

lieber fast-foot,
ICH verstehe tatsächlich besser, wenn du die konkreten Sätze, auf die du dich beziehst, noch einmal - jeweils einzeln - voranstellst.
ich bin auch der Ansicht, dass zu hohe Schallenergie immer schadet - unabhängig davon, ob vom Laien oder Fachmann "verzapft" Smiling
nun noch einmal zum Ziel von "Anpassformeln" (NAL, DSL, herstellerspezifisch):
haben die nicht alle zum Ziel, dass - auf Basis der Mehrheitshörempfindung - ein Kompromiss gefunden werden soll zwischen "Klang mögen und Sprache verstehen"?
In diese Thread geht es aber ja genau DARUM (ich schreibe übrigens jeweils DAS Wort in Großbuchstaben, welches ich betont wissen will Smiling ), dass die Kriterien "Mehrheit der Anwender" und "Sprachverständlichkeit" aus dem Fokus genommen und - anstelle dessen - stur das Hörfeld hörbar gemacht werden soll (unabhängig von der "Wichtigkeit" der darin enthaltenen "Sprachbanane"-Informationen), weil: in diesem Programm will ICH (NICHT "Mehrheit" sondern Individuum) NICHT bestmöglich verstehen, sondern "hören genießen".

Ich wünsche euch, und allen hier Mitlesenden, einen schönen, sonnigen Tag,
und übe mich wieder im "hören können - OHNE alles "verstehen" zu müssen Smiling

liebe Grüße
vom
nixverstahn
"Wahrheit" ist für mich DAS, was in den beschränkten Platz zwischen meine Ohren passt - und wie ist das bei DIR? Smiling
↑  ↓

#20 13.05.2018, 18:16
Dani! Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.03.2012
Beiträge: 330


Betreff: Re: Hörsystemkonfiguration
Zitat von fast-foot:
Beim (nicht nur geschädigten und versorgten - dort jedoch besonders) Gehör gibt es zwei Probleme:
1. Ein Geräusch liegt unter der Hörschwelle
2. Es ist zu laut.
Wenn für Geräusche, welche wichtige Informationen enthalten, Punkt 1 und/oder 2 zutreffen, ist Kompression erforderlich, damit sie
1. gehört werden und 2. nicht unangenehme Empfindungn auslösen können.
Und nicht nur da. In den Anpasssitzungen käme ich mit meinem Hörverlust gut ohne Kompresseion aus. Das ist auch das was mein Akustiker immer versucht zu erreichen. Stehe ich das erste Mal auf der Straße, wirds aber unerträglich laut. Mein Akustiker versucht dann immer, normallaute Sprache möglichst gut widerzugeben und macht ab 80dB eine hohe Kompression - Ziel erreicht, außer dass in lauten Umgebungen nun alle ausgesprochen nasal klingen, also übersteuert. Das ist kein schöner Klang.

Zitat von nixverstahn:
In diese Thread geht es aber ja genau DARUM, dass die Kriterien "Mehrheit der Anwender" und "Sprachverständlichkeit" aus dem Fokus genommen und - anstelle dessen - stur das Hörfeld hörbar gemacht werden soll (unabhängig von der "Wichtigkeit" der darin enthaltenen "Sprachbanane"-Informationen), weil: in diesem Programm will ICH (NICHT "Mehrheit" sondern Individuum) NICHT bestmöglich verstehen, sondern "hören genießen".
Das ist wohl wahr und gilt nicht nur für dich als Induviduum. Sowohl mir als langjähriger WDRC-Anwender als auch Kollegen in meinem Umfeld, die zum ersten Mal HGs verschrieben bekommen, wir alle klagen nach der Anpassung bei den unterschiedlichsten Akustikern (na gut, so viele sinds dann auch wieder nicht) über zu schrille oder anderweitig zu laute Geräusche. Sprachverstehen ist zwar das wichtigste Ziel eines HGs, aber halt längst nicht das einzige. Der Tragekomfort ist m.E. um Welten wichtiger, denn sonst trägt man die Hörgeräte nicht und das Ziel Sprachverstehen wird damit absolut verfehlt (da die HGs ja dann in der Schublade verstauben).

Das von akopti angesprochene Verfahren mit Audiosus klingt da vielversprechend. Muss ich mir fürs nächste Mal merken!
R+L: 125Hz/10dB 250Hz/20dB 500Hz/35dB 1k/80dB 2k/90dB >=3k/--
Seit 2018: Phonak Naida B70-SP
↑  ↓

Seiten (2): 1, 2

Interessantes für Gäste und User ohne Beitrag in den letzten 100 Tagen ...



Alle Zeitangaben in GMT +02:00. Aktuelle Uhrzeit: 21:05.