Hallo Tabbycat, vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Auch wenn es für dich vermutlich eine echt ätzende Erfahrung ist, ist es schön zu hören, dass ich nicht allein bin.
Gestern hatte ich einen Termin bei einer anderen Akustikerin, Ein-Frau-Unternehmen, verschiedene Hersteller im Programm und mir am Telefon direkt sehr sympathisch. Wir hatten vorab schon etwa eine halbe Stunde telefoniert und ich den Teil meiner Verordnung mit den Audiometrien eingescannt und verschickt.
Nachdem die Messung des HNO verifiziert wurde (Ton- und Sprachaudiometrie, Messung der Knochenleitung), haben wir ausführlich darüber gesprochen, was mir bei einem Hörgerät wichtig ist. Das ist im Prinzip erstmal nur, dass sich die Rückkopplung in Grenzen hält, mir die Töne nicht blechern vorkommen und ich auch in geselligen Situationen mit Hintergrundgeräuschen gut verstehen kann. Im Idealfall kann sich das Hörgerät mit meinem Handy verbinden und Musik abspielen, aber auch mit einem Wechsel auf Kopfhörer habe ich kein Problem.
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IdOs riet sie mir ab, die seien aus ihrer Sicht rausgeschmissenes Geld, weil man für den gleichen Preis
HdOs mit besserer Ausstattung bekäme. Der einzige Vorteil, den sie für mich sähe sei der, dass ich hinter den Ohren recht wenig Platz habe und ich Brillenträgerin bin. Sollte das Probleme geben, würde sie mir empfehlen entweder ein flacheres
HdO zu wählen, oder zu schauen, ob ich eine Brille mit dünneren Bügeln fände. Da meine Gehörgänge wohl auch recht eng sind, meinte sie IdOs wären aus ihrer Sicht die schlechteste mögliche Lösung für mich.
Zum ersten Testen hat sie mir die Phonak Vitus Plus RIC mit Standard Reciever angepasst, das würde die Kasse vollständig übernehmen. Also bis auf die 20€ Zuzahlung eben. Die Anpassung empfand ich als sehr angenehm, wir waren sowohl im Büro der Akustikerin, als auch auch in einer Nebenstraße und an der Hauptstraße unterwegs. An jedem Halt wurde ich gefragt, ob mir das Hören so angenehm wäre, ob ich mir eine Veränderung wünschen würde. Und beim Wunsch nach Veränderung ging es direkt zurück ins Geschäft um diese umzusetzen und danach in der Situation selbst anzuhören.
Aktuell schwanke ich zwischen leichter Reizüberflutung und dem beeindruckt sein wie laut die Welt eigentlich ist und wie viele Geräusche ich bisher gar nicht, oder nur sehr am Rande wahrgenommen habe. Gefallenes Laub ist schon eine echte Geräuschbelästigung, sagt zumindest mein Gehirn. Sehr zufrieden bin ich damit, dass die Geräte (bis jetzt) null Rückkopplung haben. Ich kann eine Mütze tragen, ich kann damit auf dem Sofa lümmeln und den Kopf leicht seitlich auf einem Kissen ablegen. Ich kann einen Fahrradhelm tragen und beim Einkaufen das Gespräch der anderen Menschen in der Kassenschlange verstehen. Gespräche fallen mir deutlich leichter, ich muss mein Gegenüber nicht anschauen oder mich doll konzentrieren. Aktuell empfinde ich das Rascheln von festen Plastikverpackungen als sehr laut, da möchte ich nachfragen, was an Optimierung drin ist. Die Tonqualität ist im Vergleich zu meinen alten Krücken deutlich besser und ich immer noch total überrascht. Wie die Geräte sich in richtig schwierigen Umgebungen wie Cafés oder Bars schlagen habe ich noch nicht getestet.
Heute morgen habe ich gleich drei Mal mein untermotorisiertes Schrottauto abgewürgt. Ich wollte nach Gehör hoch schalten - leider höre ich das Auto jetzt schon bei niedriger Drehzahl deutlich lauter
Der einzige richtig negative Punkt ist, dass mir nach 8+ Stunden Tragzeit die Ohrmuschel schmerzt. Nicht stark, aber durchaus unangenehm dort, wo Brillenbügel und Hörgerät sitzen und von außen gegen die Ohrmuschel drücken. Das Problem hatte ich bis jetzt bei allen Hörgeräten, es aber erfolgreich verdrängt.
Ich bin gespannt, was noch kommt.